Tag Archiv für Volker Baisch

Ohne väterorientierte Personalpolitik fehlt etwas

Es ist noch ein harter und steiniger Weg, aber irgendwann werden nicht nur ein paar Exoten unter den Unternehmen erkennen, dass es mit einer frauenorientierten Personalpolitik hinsichtlich der Vereinbarkeit von Beruf und Familie nicht getan ist. Auch für die Männer muss noch sehr viel getan werden. Es handelt sich um ein ganzheitliches Thema.

Die Hessenstiftung ist eine der Institutionen, die sich mit ihrem Programm „Väter in Familie und Beruf“ für dieses Anliegen stark macht. Ein weiterer Baustein dieses Engagements ist die qualitative Studie „Väter und der Wiedereinstieg der Partnerin“, die von der Hessenstiftung und dem Bundesfamilienministerium gemeinsam in Auftrag gegeben wurde. Organisationsberater Hans-Georg Nelles aus Düsseldorf (vaeterblog.de) hat die Studie durchgeführt. Eine Erkenntnis: Je mehr Elternzeiterfahrung die Väter haben, umso besser unterstützen sie ihre Partnerinnen beim beruflichen Wiedereinstieg.

Die Vorstandsvorsitzende der Hessenstiftung, die hessische Staatssekretärin im Sozialministerium Petra Müller-Klepper, ist überzeugt, dass Wiedereinsteigerinnen in den Beruf ganz besonders auf die Unterstützung der Partner angewiesen sind. Ein Schlüssel dafür ist die Anerkennung der väterlichen Familienarbeit. Dass es daran noch weitestgehend hapert, ist kein Geheimnis. Ein Knackpunkt: In der Regel fehlt das Verständnis des Arbeitgebers. Aber auch hier leisten Männer und Väter wie Hans-Georg Nelles und Volker Baisch von der Hamburger Väter gGmbH wichtige Arbeit in den Unternehmen. Ihr Credo: Väterorientierte Personalpolitik zahlt sich in vielfältiger Weise aus. Sie gehen in die Unternehmen hinein und schärfen das Bewusstsein dafür, dass Väter nicht zuletzt durch ihre Rolle in der Familie besondere Stärken und Fähigkeiten haben, von denen vor allem die Unternehmen profitieren können.

Bei einem Fachgespräch am Mittwoch in Wiesbaden sagte Nelles: „Väter sind bereit, Veränderungen im Familiensystem beim Wiedereinstieg der Partnerin mitzutragen und gegebenfalls ihre eigene Arbeitszeit zu reduzieren. Allerdings muss diese Bereitschaft rechtzeitig abgerufen werden.“ Wesentlich ist nach seinen Beobachtungen, dass die Partnerin bereit ist, ihre Verantwortung für das Familieneinkommen zu übernehmen.

Nelles hat für die Studie drei Gruppen von Vätern befragt. Väter ohne eigene Elterenzeiterfahrung und mit einer Partnerin, die bereits in den Beruf zurückgekehrt ist. Väter mit zwei Monaten. Und schließlich Väter mit einer Elternzeiterfahrung von mehr als sechs Monaten sowie Väter, die schon älter als 38 Jahre alt waren or die Elternzeit erst beim zweiten oder dritten Kind in Anspruch genommen haben.

Welche politischen Maßnahmen lassen sich aus dem Erkenntnissen der Studie ableiten? Eine Ausweitung der Partnermonate von zwei Monaten bis auf die Hälfte der Elternzeit wäre denkbar, hieß es in der Runde. Politisch wäre dies sicher ein Ansatz. Ganz wichtig ist aber, dass man auch noch andere Stellschrauben nutzt, damit Väter mit ihrem Anliegen Beruf und Familie unter einen Hut zu bekommen, näher kommen. Die Akzeptanz in der Gesellschaft ist dafür bei Weitem noch nicht groß genug. Wir Väter müssen also gemeinsam an dieser Aufgabe weiterarbeiten. Ich glaube, dass sich das lohnt. Und: Auch die Mütter, die wieder in ihrem Beruf arbeiten wollen, können davon in hohem Maße profitieren.

Nächste GfG-Väterbegleiter-Weiterbildung startet

Die ersten GfG-Väterbegleiter sind zertifiziert und schon gibt es die Ausschreibung für die nächste Weiterbildung. Dieses Mal dürften sich vor allem Väter in Norddeutschland angesprochen fühlen. Die Weiterbildung startet im Herbst und findet in Hamburg statt. Erneut übernimmt Volker Baisch von der Väter gGmbH unterstützt von GfG-Ausbilderin Melanie Schön den Part des Chefausbilders.

Sowohl hier als auch deutlich intensiver auf passionpapa.de habe ich über die Weiterbildung berichtet. Ich hoffe, dass engagierte Väter sich angesprochen fühlen und uns acht Vätern der Pilotgruppe nachfolgen. Wir sind eifrig am Aufbauen eines Netzwerkes – untereinander aber auch mit den GfG-Frauen und zahlreichen anderen Institutionen, die unsere Fähigkeiten und Leidenschaft nachfragen. Informiert Euch also in dem entsprechenden Flyer. Bei Fragen stehen meine Kollegen und ich und natürlich auch Volker Baisch und Melanie Schön zu eurer Verfügung.

Der nächste Schritt, ein Praxistag

Am Wochenende gibt es ein Wiedersehen mit den Väterbegleiter-Kollegen der Pilotgruppe. Am Sonntag findet der Praxistag der Ausbildung statt. Dann gibt es auch die Zertifikate und wir dürfen uns offiziell GfG-Väterbegleiter nennen. Der Auftakt meiner Karriere als Väterbegleiter ist ja gründlich ins Wasser gefallen. Nach dem Austausch am Sonntag gehe ich das Thema Kurs in einem Familienzentrum aufs Neue an. Im Moment schreibe ich gerade meine Abschlussarbeit zum Thema Paar-Kommunikation zusammen. Gelegentlich werde ich daraus auch hier etwas zum Besten geben.