Tag Archiv für Väter

Jean Le Camus: Väter

In loser Folge möchte ich an dieser Stelle auch in Zukunft wichtige Bücher rund um das Thema Vatersein und Familienleben vorstellen.

Jean Le Camus: Väter, Beltz, 2003

Jean Le Camus: Väter, Beltz, 2003

Heute ist ein zwar schon etwas in die Jahre gekommener moderner Klassiker an der Reihe. Allerdings ist das Werk „Väter“ von Jean Le Camus eine hervorragende Einführung in das Thema „Die Bedeutung des Vaters für die psychische Entwicklung des Kindes“, wie es auch im Untertitel heißt. Das Werk zeichnet aus, dass es als eines der ersten auch aus wissenschaftlicher Sicht mit dem Vorurteil aufräumt, dass der Vater in der frühen Entwicklung des Kindes keine wesentliche Rolle spielt.

Der französische Psychologe hat eine Reihe von Erkenntnissen und Zahlen vor allem aus der zweiten Hälfte des vergangenen Jahrhunderts zusammengetragen. Teilweise fließen auch eigene Forschungsergebnisse aus Feldstudien in die Darstellung mit ein. Insgesamt bekommt die psychoanalytische Betrachtungsweise für meinen Geschmack ein wenig zu viel Platz eingeräumt. Die Sprache ist nicht sehr modern, was allerdings auch an der Übersetzung liegen mag.

Wenn man allerdings von diesen Aspekten absieht und man sich mit der Sprache einigermaßen angefreundet hat, wird es zu einer sehr wertvollen Lektüre – sowohl für den Einsteiger in das Väterthema als auch für gestandene Väter, die ein wenig Rückschau halten wollen und Anregungen zum Nachdenken über das Vatersein suchen.

Ich möchte ein paar ausgewählte Erkenntnisse präsentieren, auf die Le Camus in seinem Buch eingeht. Alle ausführlichen Erläuterungen finden sich dann im Buch.

Natürlich geht es in den meisten Fällen um den Unterschied von Vätern und Müttern und die unterschiedlichen Auswirkungen des Verhaltens der Eltern auf die Reaktionen und Entwicklungen der Kinder. Einen Hauptpunkt würde ich unter dem Motto „Mütter fördern, Väter fordern“ zusammenfassen. Mütter sind eher zur Unterstützung da, Kinder suchen bei Ihnen Schutz. Das Neue, Dinge, die es zu erforschen gilt, sind das Metier der Väter. Väter fordern auch in Spielsituationen eher zu Handlungen und neuen Ansätzen auf, während die Mütter eher kommentieren und loben. Väter sind bekannt dafür, dass sie die Kinder schon mal beim Spiel ablenken oder auch necken. Hier hat man herausgefunden, dass Kinder dadurch zu neuen Lösungen und alternativen Handlungsmöglichkeiten geführt werden und damit ausgetretene Pfade verlassen. Im Bereich der Sprache gibt es Erkenntnisse, dass die Väter für die Erweiterung des Sprachschatzes beim Kind verantwortlich sind, weil sie in der Kommunikation mit ihnen mehr unbekannte Wörter verwenden als die Mütter. Da Kinder gegenüber Fremden aufgeschlossener sind, wenn ihre Väter dabei sind, folgert man, dass die Risikobereitschaft der Kinder durch die Anwesenheit der Väter wächst. Väter wirken wie Katalysatoren beim Eingehen von Risiken. Auch in Situationen wie beim Babyschwimmen gilt: Die Mutter bestärkt, und der Väter regt an.

Le Camus kommt schließlich zu der Erkenntnis, dass Väter nicht nur für den Aufbau der geschlechtlichen Identität und die Konstruktionen des Wertesystems des Kindes von immenser Bedeutung sind, sondern für alle Aspekte der Persönlichkeitsentwicklung des Kindes. Und das ist doch eine wunderbare Sache. Insofern ist das Buch bei aller Wissenschaftlichkeit doch ein großer und wichtiger Mutmacher für alle Väter.

Jean Le Camus, Väter, Beltz, 2003, 11,90 Euro.

Väter-Lounge: Die Flyer sind verteilt

20120926-233009.jpg

Nachdem die Väter-Lounge in der Bickenbacher Kita schon bei den Elternabenden vor gut zehn Tagen vorgestellt wurde, rollt jetzt die Marketingmaschine für den 11. Oktober so richtig an. Die von Designer und Illustrator Michael Wrede entworfenen und von mir betexteten Flyer sind heute an die Familien der Kita-Kinder verteilt worden. In den kommenden Tagen kommen noch die Plakate, die dann in den Geschäften Bickenbachs aufgehängt werden.

Die Kindergartenleitung und ich sind sehr gespannt auf diesen 11. Oktober. Wir hoffen natürlich auf rege Beteiligung. Ich bin guter Dinge, schon einmal einige von meinen Freunden und Bekannten in die Väter-Lounge zu lotsen. Mal sehen, wie groß die Runde wird. Natürlich bin ich auch auf die Gespräche und Ergebnisse an diesem Abend gespannt.

20120926-233108.jpg

Väterarbeit und Jungenarbeit passen gut zusammen

Gern verweise ich an dieser Stelle nochmal auf den großartigen Zeitungsartikel im Darmstädter Echo über mich und die Arbeit mit Vätern. Direkt im Anschluss habe ich auch kurz über die Reaktionen berichtet. Einige Projekte und Kontakte, die nach der Veröffentlichung ihren Anfang nahmen, werden jetzt konkreter und fassbarer.

Sehr dankbar bin ich nun dafür, dass mich die AG Jungenarbeit der Stadt Darmstadt und des Landkreises Darmstadt-Dieburg zu einer Sitzung eingeladen hat, damit ich ein wenig über Väterarbeit erzählen kann. Wir wollen versuchen gemeinsame Ansatzpunkte zu finden, um die Jungenarbeit auch über das Väterthema voranzubringen.

An vielen Stellen fehlt es Jungen an männlichen Vorbildern in ihrer frühen Entwicklungsphase. Manchmal reicht das sogar bis in die Familien hinein. Väterarbeit soll, so wie ich sie verstehe, die Väter dafür sensibilisieren, dass sie in ihrer Rolle als Mann und Vater wahnsinnig wichtig für die Entwicklung ihrer Kinder (Jungen wie Mädchen) sind. Sie sollen anwesende Väter sein. Und wenn sie empathische, liebevolle und aufmerksame Väter sind und als solche auch Vorbild, bin ich fest davon überzeugt, dass beispielsweise auch mehr Jungen sich später für Berufe wie Erzieher und Grundschullehrer entscheiden. Hier gibt es ein immenses Defizit. Gemeinsam sollten wir daran arbeiten, dass sich in diesem Punkt in den kommenden Jahren und Jahrzehnten einiges ändert.

Ich wäre froh, wenn ich die Arbeitsgruppe bereichern könnte und sich nach dem Treffen eine Fortführung gemeinsamer Aktivitäten ergibt. Auch darüber werde ich dann an dieser Stelle berichten.

Väter-Lounge in Bickenbach am 11. Oktober

Jetzt ist es ganz konkret und auch schon mehr oder weniger offiziell. Am 11. Oktober ab 20 Uhr werden sich in der Kita Sonnenland in Bickenbach an der Bergstraße Väter treffen, um über ihre Rolle als Vater zu sprechen und ihre Bedürfnisse und Wünsche für ein väterfreundliches Bickenbach zu formulieren.

Gestern Abend wurden in den Elternabenden der Kitagruppen die nächsten Schritte der Einrichtung hin zu einem Familienzentrum vorgestellt. Ganz prominent vertreten war unsere Väter-Lounge. Ich konnte in unserer Gruppe ein paar Worte zu der Veranstaltung verlieren. Von 20 Kindern waren gestern meiner Berechnung nach 15 durch Eltern vertreten, was eine ganz gute Quote ist. Bemerkenswert: Es waren doch immerhin fünf Männer in der Runde anwesend.

Diese Männer zumindest wissen jetzt schon einmal aus erster Hand, in welche Richtung es am 11. Oktober gehen soll. Ich denke, dass der eine oder andere von ihnen dabei ist. Doch wie reagierten die Frauen auf diesen Väterplan? Überrascht sind sie im Schnitt in jedem Fall. Manche machen auch deutlich, dass sie es irgendwie lustig finden. Doch was dahinter steckt, dazu müsste man sie im einzelnen befragen. Das kommt dann auch noch.

Plakate sind in Arbeit, Flyer sind in Arbeit. Es ist doch gut, wenn Fördermittel für solche Aktionen vorhanden sind. Und es ist gut, wenn die Leitung einer Kita derart offen dafür ist, den Vätern mehr Raum zu geben. Über alle weitere Entwicklung werde ich hier berichten. Natürlich soll das Gänze Mut machen, solche in ähnliche Aktionen an anderen Orten zu starten. Wer hier Fragen hat, kann jederzeit gern auf mich zukommen.

Tag der Nachhaltigkeit – Die Familie als nachhaltige Energiequelle

Es gibt reichlich Leute, die mit dem Begriff Nachhaltigkeit nicht allzu viel anfangen können, ihn für überdistribuiert halten. Die hessische Landesregierung hat keine Berührungsängste mit dem Begriff. So findet am 19. September der 2. Hessische Tag der Nachhaltigkeit statt. An diesem Aktionstag beteiligen sich zahlreiche Institutionen landauf und landab mit den unterschiedliche Facetten dieses Themas. Im Netz findet sich eigens ein Aktionsplan, mit dessen Hilfe sich herausfinden lässt, wo welche Aktionen stattfinden.

Eine besonders schöne Idee hat Ulrich Kuther von der hessenstiftung in Bensheim. Er hat auf der Facebook-Seite der Stiftung eine niedrigschwellige Aktion gestartet, die die soziale Dimension der Nachhaltigkeit in den Fokus rückt. Er sieht in der Familie eine „nachwachsende, erneuerbare Kraft- und Energiequelle für viele Generationen“. Er ruft dazu auf – und ich schließe mich an -, eine Idee oder ein Statement zu der Frage „Wie erlebst du Familie als erneuerbare Quelle von Energie?“. Die Aktion läuft noch bis zum 19. September. Bitte postet auf der Seite Eure Antwort. Und nutzt die Gelegenheit, diese Aktion zu teilen, damit möglichst viele Statements zusammenkommen.

Es gibt auch eine übergeordnete Foto-Mitmachaktion.

Ohne väterorientierte Personalpolitik fehlt etwas

Es ist noch ein harter und steiniger Weg, aber irgendwann werden nicht nur ein paar Exoten unter den Unternehmen erkennen, dass es mit einer frauenorientierten Personalpolitik hinsichtlich der Vereinbarkeit von Beruf und Familie nicht getan ist. Auch für die Männer muss noch sehr viel getan werden. Es handelt sich um ein ganzheitliches Thema.

Die Hessenstiftung ist eine der Institutionen, die sich mit ihrem Programm „Väter in Familie und Beruf“ für dieses Anliegen stark macht. Ein weiterer Baustein dieses Engagements ist die qualitative Studie „Väter und der Wiedereinstieg der Partnerin“, die von der Hessenstiftung und dem Bundesfamilienministerium gemeinsam in Auftrag gegeben wurde. Organisationsberater Hans-Georg Nelles aus Düsseldorf (vaeterblog.de) hat die Studie durchgeführt. Eine Erkenntnis: Je mehr Elternzeiterfahrung die Väter haben, umso besser unterstützen sie ihre Partnerinnen beim beruflichen Wiedereinstieg.

Die Vorstandsvorsitzende der Hessenstiftung, die hessische Staatssekretärin im Sozialministerium Petra Müller-Klepper, ist überzeugt, dass Wiedereinsteigerinnen in den Beruf ganz besonders auf die Unterstützung der Partner angewiesen sind. Ein Schlüssel dafür ist die Anerkennung der väterlichen Familienarbeit. Dass es daran noch weitestgehend hapert, ist kein Geheimnis. Ein Knackpunkt: In der Regel fehlt das Verständnis des Arbeitgebers. Aber auch hier leisten Männer und Väter wie Hans-Georg Nelles und Volker Baisch von der Hamburger Väter gGmbH wichtige Arbeit in den Unternehmen. Ihr Credo: Väterorientierte Personalpolitik zahlt sich in vielfältiger Weise aus. Sie gehen in die Unternehmen hinein und schärfen das Bewusstsein dafür, dass Väter nicht zuletzt durch ihre Rolle in der Familie besondere Stärken und Fähigkeiten haben, von denen vor allem die Unternehmen profitieren können.

Bei einem Fachgespräch am Mittwoch in Wiesbaden sagte Nelles: „Väter sind bereit, Veränderungen im Familiensystem beim Wiedereinstieg der Partnerin mitzutragen und gegebenfalls ihre eigene Arbeitszeit zu reduzieren. Allerdings muss diese Bereitschaft rechtzeitig abgerufen werden.“ Wesentlich ist nach seinen Beobachtungen, dass die Partnerin bereit ist, ihre Verantwortung für das Familieneinkommen zu übernehmen.

Nelles hat für die Studie drei Gruppen von Vätern befragt. Väter ohne eigene Elterenzeiterfahrung und mit einer Partnerin, die bereits in den Beruf zurückgekehrt ist. Väter mit zwei Monaten. Und schließlich Väter mit einer Elternzeiterfahrung von mehr als sechs Monaten sowie Väter, die schon älter als 38 Jahre alt waren or die Elternzeit erst beim zweiten oder dritten Kind in Anspruch genommen haben.

Welche politischen Maßnahmen lassen sich aus dem Erkenntnissen der Studie ableiten? Eine Ausweitung der Partnermonate von zwei Monaten bis auf die Hälfte der Elternzeit wäre denkbar, hieß es in der Runde. Politisch wäre dies sicher ein Ansatz. Ganz wichtig ist aber, dass man auch noch andere Stellschrauben nutzt, damit Väter mit ihrem Anliegen Beruf und Familie unter einen Hut zu bekommen, näher kommen. Die Akzeptanz in der Gesellschaft ist dafür bei Weitem noch nicht groß genug. Wir Väter müssen also gemeinsam an dieser Aufgabe weiterarbeiten. Ich glaube, dass sich das lohnt. Und: Auch die Mütter, die wieder in ihrem Beruf arbeiten wollen, können davon in hohem Maße profitieren.

Die Zeit und die Väter

Es ist immer wieder großartig, wenn das Thema „Vater sein“ bzw. „Väter“ von den großen Medien aufgegriffen wird. In dieser Woche setzt sich die Zeit im Zeit-Magazin mit diesem Thema auseinander. „Was Väter tun können, um für ihre Kinder da zu sein“ lautet die Unterzeile des Titels. Die Auftakt-Geschichte ist kurz und knapp – aber wirklich gut komprimiert. Sie nimmt den Vätern den Druck, darüber nachzudenken, was sie denn wohl mit ihren Kindern anfangen können. Es wird deutlich: Hauptsache ist, dass sie bewusst Zeit mit ihren Kindern verbringen. Männer neigen dazu, unproduktive Zeit als vertane Zeit zu begreifen. Das ist Quatsch. Allerdings sind sie nicht zuletzt durch den Alltag und die Berufswelt darauf konditioniert.

Im zweiten Teil des Beitrags geben mehr oder weniger bekannte Menschen Tipps, was Väter mit Kindern anstellen können und wie sie es tun können. Dieser Teil des Artikels wirkt etwas beliebig. Vor allem die Auswahl der Befragten reizt mich nicht sonderlich. So sind zu viele Zeit-Autoren darunter. Vielleicht hätte man besser auf den Pseudo-Promi-Status verzichtet und dafür mehr mit Vätern gesprochen, die ehrenamtlich oder auch beruflich Väterarbeit machen. Dabei wären sicher noch einige interessante und weiterführende Erkenntnisse aufgetaucht.

Dennoch. Danke an die Zeit, die eines der wichtigsten Themen überhaupt aufgegriffen hat. Das neue Väterbewusstsein hat das Zeug dazu, die Entwicklung der Gesellschaft in eine positive Richtung zu beeinflussen. Kinder sollen ganz bewusst von ihren Vätern von Beginn an begleitet werden. Davon profitieren am Schluss alle Beteilgten. Also liebe Medien: Bitte mehr davon!

Das Miteinander der Generationen

In den vergangenen Wochen hat mich immer wieder eine Idee beschäftigt: Es wäre doch super, wenn man ein Angebot für Väter und Kinder in einem Seniorenheim starten könnte. Dieser Gedanke umtreibt mich, seitdem die Bauarbeiten für zwei Seniorenzentren in Bickenbach an der Bergstraße begonnen haben. Jetzt hat das erste der zwei eröffnet. Es wird von der Procon Seniorenzentren gGmbH betrieben. Ein paar spärliche Informationen befinden sich auf der Procon-Website. In einem Artikel des Darmstädter Echos stehen ein paar konkretere Dinge, die mich haben aufhorchen lassen. Dort ist die Rede davon, dass es auch Räume gibt, die Gruppen und Vereinen aus Bickenbach zur Verfügung stehen.

Ich habe heute die Gelegenheit für Qualitätszeit mit Nora genutzt. Die Jungs hatten Freunde zu Besuch. Da bin ich mit Nora ein wenig spazieren gegangen und habe bei dem Seniorenzentrum reingeschaut. Das öffentliche Cafe ist sehr nett gestaltet – und es gibt zumindest einen Seminarraum. Ich habe direkt Kontakt mit der Verwaltung aufgebaut. Meine Idee: Ein offener Vater-Kind-Treff. Es wäre doch wunderbar, wenn man damit mehrere Generationen zusammen in ein Haus bekommen könnte. Das Interesse war auf Anhieb groß. Der erste positive Kontakt hat mich bestärkt, ein Konzept zu entwickeln und Mitstreiter zu suchen, die an so etwas ihren Spaß hätten. Ich werde über den Fortgang an dieser Stelle berichten. Wenn den Beitrag ein interessierter Vater liest, dann möge er sich bitte bei mir melden. Dann können wir so etwas auch gemeinsam entwickeln.