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Diagnose ADHS – Was steckt dahinter?

Heute habe ich mal eine Offline-Leseempfehlung – leider war zum Zeitpunkt dieses Posts der Text noch nicht online zu finden. Die Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung hat heute ganz prominent auf den Seite 1 bis 3 eine große Geschichte zum Thema ADHS und Ritalin publiziert. Es ist eine sehr interessante, für den Laien aber auch schockierende Geschichte.

250.000 Kinder und Jugendliche in Deutschland sowie deren Familien müssen und/oder wollen mit der Diagnose ADHS leben. Jeder zehnte Junge ist von der Diagnose betroffen, was nicht heißt, dass er auch von der vermeintlichen Erkrankung selben Namens betroffen ist. Jungen bekommen die Diagnose, so die Autoren Christiane Hoffmann und Antje Schmelcher, viermal so oft wie Mädchen. Laut Beitrag landen jährlich 1,8 Tonnen des Wirkstoffs Methylphenidad in den Körpern der Kinder in Deutschland. In hohen Dosen wirkt der Stoff wie Kokain. Nebenwirkungen: Essstörungen, Schlafstörungen, Bluthochdruck und vermindertes Wachstum. An einer Stelle des Beitrags heißt es, dass neun von zehn Diagnosen falsch sind. Wenn es die Krankheit eigentlich gar nicht gibt, selbst deren Entdecker, Leon Eisenberg, hat kurz vor seinem Tod ADHS die Existenz abgesprochen, dann sind es wohl eher zehn von zehn.

Deutlich wird in dem Beitrag, wenn Eltern „schwierige“ Kinder haben, gehen sie offensichtlich teilweise zum Arzt und erwarten, dass er die Diagnose stellt. Geraten sie an den Falschen, suchen sie so lange, bis sie einen Mediziner finden, der die Diagnose stellt. Ähnliches habe ich schon einmal in einem Fernsehbeitrag gesehen. Die fatale Erkenntnis der Eltern und am Ende gar der Gesellschaft: Wenn man Kindern nur die richtige Droge verabreicht, dann funktionieren sie auch. Leider geht es aber gar nicht ums Funktionieren, selbst wenn manche Mutter oder mancher Vater Erziehung so versteht. Die Kinder sollen sich doch vielmehr so entwickeln können, wie es ihrem Naturell entspricht. Unsere Aufgabe ist es nicht, sie zu formen und ihnen unsere Ziele aufzudrücken. Unzureichende Bindung und Überforderung führen unter anderem zu den tatsächlich vorhandenen psychischen Problemen oder Verhaltensauffälligkeit (dabei darf man nicht vergessen, dass nicht jede Abweichung vom Normalen auch gleich unnormal ist). Unter anderem hier muss angesetzt werden.

Aufklärung tut Not, damit künftig nicht noch mehr Kinder und Jugendliche von Ritalin abhängig werden – auch diesen negativen Nebeneffekt hat das Präparat nämlich. Ganz früh muss damit angesetzt werden. Danke, FAS für diesen sehr guten, unterstützenden Beitrag. Also nochmal: Absolute Leseempfehlung.

Und wer schon dabei ist, sich in die FAS einzulesen, sollte auch noch den Beitrag auf Seite 6 lesen, in dem es um den Fall Chantal in Hamburg geht (online findet Ihr den Beitrag hier). Das Mädchen, das in einer Pflegefamilie untergebracht war, ist im Alter von 11 Jahren an einer Überdosis Methadon gestorben. Eine Geschichte über das Versagen von Politik und Verwaltung. Erschütternd.

PS: Als Journalist möchte ich aber noch hinzufügen, dass das Negativbeispiel in der ADHS-Geschichte einen deutlichen größeren Raum eingeräumt bekommen hat, als der positive Fall. Das verstärkt die negative Erregung in dem einen Fall. Im anderen Fall bleiben einige Fragen offen. Vor allem bei den Werten, die die Erziehung der jeweiligen Eltern ausmachen, ist im zweiten Fall an Inhalten gespart worden.