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Väter als Experten?

Es gibt doch immer wieder überraschende Wendungen. Klar, damit müssen wir stets rechnen. Gerade jetzt bin ich aber doch einigermaßen verwirrt.

Kürzlich hatte ich eine Anfrage für einen Workshop von einer Eltern-Kind-Kur-Klinik. Man wolle die Mitarbeiterinnen für typische Väterthemen sensibilisieren, da es immer häufiger vorkomme, dass Väter mit ihren Kindern eine Kur absolvieren. Arbeitstitel: „Väter erziehen anders“. Es sollte um moderne Väterbilder, die Bedeutung von Vätern für die Entwicklung der Kinder, Vater werden/Vater sein und andere wichtige und spannende Themen gehen.

Das finde ich grundsätzlich eine sehr gute Idee. Zum Glück spüren wir immer stärker, dass die Themen „Väter“, „Vaterschaft“ und „Väterlichkeit“ mehr Öffentlichkeit bekommen. Und Relevanz haben.

Leider habe ich den Auftrag nicht bekommen. Das ist schade, aber an sich auch noch nicht schlimm. Dafür habe ich aber eine offizielle Begründung erhalten, die mich stutzig macht und zeigt, dass wir Männer/Väter hier noch einen weiten Weg vor uns haben. Die Wahl fiel nämlich auf eine Frau, also nicht etwa auf einen anderen Mann und Vater. Eine Frau aus der Wissenschaft, hieß es noch. Also, ich bin baff. Es gibt ja doch einige Männer, die in diesem Feld unterwegs sind und sicher sehr, sehr kompetent wären, einen solchen Workshop zu bestreiten. Von mir aus auch aus der Wissenschaft.

Nochmal kurz das Thema: „Väter erziehen anders“. Na gut, wahrscheinlich kennen sich Frauen da doch ein bisschen besser aus.

Kess leiten

Das zweite Ausbildungswochenende Kess erziehen liegt hinter mir. Es war wieder eine sehr gute und schöne Erfahrung mit wichtigen und wertvollen Begegnungen. Und Selbsterkenntnissen natürlich. In der Übungseinheit bin ich mit einer Körperübung zum Machtkampf eingestiegen. Hier geht es darum zu zeigen, dass es wichtig ist, dem Kind Freiräume zu geben, um sich zu probieren. Eltern setzen Grenzen, Leitplanken, in denen ein Wettstreit möglich wird, durch den sich das Kind entwickeln kann, aber auch die Eltern reifen. Sehr spannend. Die Übungen machen Lust auf mehr.

Mittlerweile kennen wir den gesamten, aus fünf Teilen (Abenden) bestehenden, Elternkurs. Darüberhinaus ging es nun aber auch um Gruppenleiterkompetenz – wieder ein Feld, um Selbsterkenntnis zu erlangen. In der Väterbegleiter-Ausbildung habe ich lernen dürfen, dass ich einen intellektuellen Akquisestil habe und bei den Konflikttypen nach Crum als Dreieck durchgehe. Diesmal haben wir uns den verschiedenen Kursteilnehmertypen nach Virginia Satir gewidmet. Die berühmte Familientherapeutin hat idealtypisch vier Kategorien ermittelt: Ankläger, Rationalisierer, Beschwichtiger und Ablenker. Wir hatten in mehreren Rollenspielen viel Spaß und Raum zur Reflexion.

Sicher, alle diese Typen können „Probleme“ bereiten. Allerdings passt es besser zum Kess-Konzept, entsprechende Menschen in und mit ihren Ressourcen zu schätzen und einzubeziehen. Wir alle wissen nun, dass es sich hierbei um eine Herausforderung handelt. Und doch ist es das Ziel, auch den „übelsten“ Ankläger wertschätzend zu behandeln. Im Kurs, aber auch sonst. Das Kess-Konzept hat für jede Lebenslage seinen Wert. Das Handwerkszeug erarbeiten wir im Moment. Es ist schön zu sehen und zu erleben, wie lernfähig wir sind, wenn uns etwas packt und überzeugt.