Archiv für Väter und Männer

Dr. med. Helmut W. Mallmann: Vater werden

Buchcover Vater werden vom Urania Verlag.

Sachlich und hilfreich: Vater werden von Dr. med. Helmut W. Mallmann.

Die Rache des Mannes – davor warnt der Autor des Expertenratgebers  „Vater werden – Was künftige Papas wissen müssen“ eindringlich. Unter der Rache des Mannes wird folgendes verstanden: In der Zeit nach der Geburt haben Mutter und Kind naturgemäß eine enge und innige Beziehung. Leicht kann sich der Vater zurückgesetzt fühlen und sich einigeln. Oft kompensiert er diese Situation, indem er sich noch stärker in die arbeit stürzt als zuvor. In einer solchen Situation ist es von großer Bedeutung, dass die Frau signalisiert, dass sich der Vater stärker bei der Säulingspflege und der Sorge um das Kind engagieren soll bzw. darf. Geschieht dies nur unzureichend, so berichtet der Kölner Gynökologe und Geburtshelfer Dr. med. Helmut W. Mallmann aus seiner vieljährigen Erfahrung, kann es zur späten Rache des Mannes kommen, indem er später für die Freiräume und die Freizeitgestaltung des Kindes sorgt, während die Mama im Alltag jene ist, die dem Kind die Grenzen aufzeigt, ja aufzeigen muss. So erkauft sich der Vater die Liebe, die er zu einem früheren Zeitpunkt nicht empfunden hat. Laut Mallmann zeigt dieses Verhaltensmuster ein Auseinanderleben von Vater und Mutter an – und ist damit nicht selten der Grund für eine Trennung, die unter anderen Umständen vielleicht nicht erfolgt wäre.

Ich habe die Rezension dieses 128 Seiten starken Bandes absichtlich mit diesen Ausführungen begonnen, obwohl dieser Aspekt erst gegen Ende des Buches behandelt wird. Aus meiner Sicht sind die die Passagen im dritten Teil dieses Ratgebers unter dem Titel „Die Zeit danach – das Kind ist da!“ besonders wertvoll. Da hier die Geburt des Kindes in den Väter- und Familienzusammenhang gestellt wird. Die ersten beiden Kapitel zur Schwangerschaft und Geburt bieten – in vernünftiger Weise komprimiert – das sachliche und fachliche Wissen, dass Mann haben sollte, wenn es an das Thema Familiengründung, Übergang vom Paar zur Familie, geht.

Neun Monate Schwangerschaft finden auf 34 Seiten Platz. Dabei geht es in der Regel um das Befinden von Mutter und Fötus und die Entwicklung der beiden im Verlauf dieser Geburtsvorbereitungszeit. Es werden aber auch zahlreiche Hinweise gegeben, inwieweit der Väter sich schon in dieser Phase mit der neuen Rolle auseinandersetzen kann und sollte, die er während dieser ersten neun Monate aber auch darüber hinaus einnimmt und einnehmen wird. Es wird unter anderem beschrieben, dass sich das zweite Schwangerschaftsdrittel gut dazu eignet, schon mal Kontakt mit dem Baby im Bauch der Mutter aufzunehmen. Zur gleichen Zeit macht es dann auch schon Sinn darüber nachzudenken, wie der Mann es nach der Geburt mit dem Arbeiten halten will. Auch die ersten Gespräche mit den Vorgesetzten können gerade in dieser Zeit auf fruchtbaren Boden fallen. Einen großen Raum nimmt das Thema Sexualität während der Schwangerschaft ein. Auch hier geht es natürlich ganz besonders um den werdenden Vater und dessen Gefühle und Bedürfnisse. Außerdem werden knapp und sachlich die Möglichkeiten der Pränataldiagnostik beschrieben. Die Aussagefähigkeit des Cardiotokogramms (CTG) wird anhand von normalen und auffälligen Befunden beschrieben. Auch ein Grundwissen zur Ernährung in der Schwangerschaft kann sich der werdende Vater hier anlesen und seine Partnerin entsprechend versorgen und bekochen.

Sehr ausführlich wird der Geburtsvorgang in dem Buch gewürdigt. Die sachliche Darstellung wird angereichtert durch den authentischen Erfahrungsbericht eines Vaters, der die Geburt seines Kindes schildert. Wichtig ist hierbei: Die Beschreibung weckt keine Ängste. Die Geschichte wird ganz klar eingeordnet und es steht immer das tiefe Empfinden während der Geburt und dabei natürlich das Glücksgefühl im Mittelpunkt. Der Autor geht immer wieder darauf ein, welche Rolle der Mann im Kreißsaal spielen kann und spielen sollte. Wichtige Rollen sind unter anderem:
– Der Mann als Vermittler zwischen Frau und Hebamme oder medizinischem Personal.
– Unterstützer bei der Geburtsarbeit.
– Der Mann als Ideenentwickler, der Auswege aus festgefahrenen Situationen findet.
In diesem Zusammenhang werden auch unterschiedliche unterstützende und die Frau entlastende Haltungen bildlich dargestellt. Und selbstverständlich werden auch alle Instrumente und Mittel, die unter der Geburt zum Einsatz kommen können, vorgestellt.

Wie schon erwähnt: Besonders wertvoll sind dann noch die Ausführungen im dritten Kapitel. Hier kann der erfahrene Mediziner und Leiter von Geburtsvorbereitungskursen aus seinem Erfahrungsschatz schöpfen. Mallmann konzentriert sich in diesem Teil des Buches vor allem auf die psychosozialen Komponenten das Vaterwerdens. Babyhandling oder ähnliches spielt hier im Prinzip keine Rolle. Rezepte für das richtige Wickeln und Baden finden sich hier also nicht. Dafür die Ermutigung, frühzeitig eine Bindung zum Kind aufzubauen. Mallmann ist ein Fan der Babymassage. Sein Appell zum Schluss seiner Ausführungen: „Väter, massiert Eure Kinder!“

„Vater werden – Was künftige Papas wissen müssen“ ist ein bereicherndes Buch, das knapp auf wesentliche Aspekte des Vaterwerdens eingeht. Insgesamt handelt es sich um ein eher nüchternes und sachliches Werk, dass durch seinen chronologischen Aufbau diesen Charakter nochmals untermauert. Mann kann es für das Aneignen eines Basiswissens durchlesen und dann als Nachschlagwerk immer wieder hervorholen. Es beinhaltet zudem ein Glossar und weiterführende Kontaktadressen und Links zu relevanten Informationsangeboten im Netz. Allumfassend ist das Werk nicht – aber so ist es auch nicht gedacht.

Dr. med. Helmut W. Mallmann, Vater werden – Was künftige Papas wissen müssen, Urania, Neuausgabe 2012, 12,99 Euro (Das Buch ist erstmals 1999 erschienen, 2009 folgte eine aktualisierte Neuauflage. Bisher lautete der Titel: „Papa werden“)

Väterarbeit und ihre gesellschaftspolitische Dimension

Gestern hatte ich wieder ein sehr anregendes Gespräch mit meinem Kollegen Heiko Litz. Eine Erkenntnis: Obwohl sich schon viel tut im Bereich von Väterarbeit und Neudefinition der Vaterrolle, findet vieles davon – um es überspitzt zu sagen – unter Ausschluss der Öffentlichkeit statt. Väterarbeit hat immer auch eine gewichtige gesellschaftspolitische Komponente, daher ist die Öffentlichkeitswirksamkeit unserer Themen und Anliegen natürlich notwendig.

Es findet durchaus Vernetzung und eine Bündelung von Kräften statt – was aus unserer Sicht notwendig für Aktionen mit einem großen Impact ist – offensichtlich reicht das aber noch nicht aus. Daher geht es weiterhin darum, hier noch mehr zu erreichen. Leider ist die mit großer Hoffnung gestartete und vielen Erwartungen ausgestattete Lobby-Organisation Bundesforum Männer gerade jäh von einem Nackenschlag getroffen worden. Der Bund der Steuerzahler hat sie in seinem Schwarzbuch erwähnt als Organisation, für die Steuergelder verschwendet wird. Das ist Wasser auf die Mühlen der Kritiker vor allem aus Männerreihen, die in der Organisation nur ein Feigenblatt des Bundesfamilienministeriums sehen. Diesem wird vorgeworfen, das Bundesforum eingerichtet zu haben, um so tun zu können, als wäre man auch für die Männer da – ohne natürlich konkret etwas zu tun. Härteste Angriffe kommen aus Reihen der Männerrechtsverbände wie Agens und Manndat.

Mit solchen Meldungen wird es nicht gerade einfacher, die Anliegen von Vätern, Männern und Jungen in der Öffentlichkeit zu platzieren. Das hält uns aber nicht davon ab, die gesellschaftspolitische Komponente der Väterarbeit intensiv im Auge zu behalten, und uns Gedanken darüber zu machen, wie wir noch mehr Öffentlichkeit erreichen können. Wenn jemand Lust hat, sich hier einzubringen, ist er herzlich dazu eingeladen.

Jean Le Camus: Väter

In loser Folge möchte ich an dieser Stelle auch in Zukunft wichtige Bücher rund um das Thema Vatersein und Familienleben vorstellen.

Jean Le Camus: Väter, Beltz, 2003

Jean Le Camus: Väter, Beltz, 2003

Heute ist ein zwar schon etwas in die Jahre gekommener moderner Klassiker an der Reihe. Allerdings ist das Werk „Väter“ von Jean Le Camus eine hervorragende Einführung in das Thema „Die Bedeutung des Vaters für die psychische Entwicklung des Kindes“, wie es auch im Untertitel heißt. Das Werk zeichnet aus, dass es als eines der ersten auch aus wissenschaftlicher Sicht mit dem Vorurteil aufräumt, dass der Vater in der frühen Entwicklung des Kindes keine wesentliche Rolle spielt.

Der französische Psychologe hat eine Reihe von Erkenntnissen und Zahlen vor allem aus der zweiten Hälfte des vergangenen Jahrhunderts zusammengetragen. Teilweise fließen auch eigene Forschungsergebnisse aus Feldstudien in die Darstellung mit ein. Insgesamt bekommt die psychoanalytische Betrachtungsweise für meinen Geschmack ein wenig zu viel Platz eingeräumt. Die Sprache ist nicht sehr modern, was allerdings auch an der Übersetzung liegen mag.

Wenn man allerdings von diesen Aspekten absieht und man sich mit der Sprache einigermaßen angefreundet hat, wird es zu einer sehr wertvollen Lektüre – sowohl für den Einsteiger in das Väterthema als auch für gestandene Väter, die ein wenig Rückschau halten wollen und Anregungen zum Nachdenken über das Vatersein suchen.

Ich möchte ein paar ausgewählte Erkenntnisse präsentieren, auf die Le Camus in seinem Buch eingeht. Alle ausführlichen Erläuterungen finden sich dann im Buch.

Natürlich geht es in den meisten Fällen um den Unterschied von Vätern und Müttern und die unterschiedlichen Auswirkungen des Verhaltens der Eltern auf die Reaktionen und Entwicklungen der Kinder. Einen Hauptpunkt würde ich unter dem Motto „Mütter fördern, Väter fordern“ zusammenfassen. Mütter sind eher zur Unterstützung da, Kinder suchen bei Ihnen Schutz. Das Neue, Dinge, die es zu erforschen gilt, sind das Metier der Väter. Väter fordern auch in Spielsituationen eher zu Handlungen und neuen Ansätzen auf, während die Mütter eher kommentieren und loben. Väter sind bekannt dafür, dass sie die Kinder schon mal beim Spiel ablenken oder auch necken. Hier hat man herausgefunden, dass Kinder dadurch zu neuen Lösungen und alternativen Handlungsmöglichkeiten geführt werden und damit ausgetretene Pfade verlassen. Im Bereich der Sprache gibt es Erkenntnisse, dass die Väter für die Erweiterung des Sprachschatzes beim Kind verantwortlich sind, weil sie in der Kommunikation mit ihnen mehr unbekannte Wörter verwenden als die Mütter. Da Kinder gegenüber Fremden aufgeschlossener sind, wenn ihre Väter dabei sind, folgert man, dass die Risikobereitschaft der Kinder durch die Anwesenheit der Väter wächst. Väter wirken wie Katalysatoren beim Eingehen von Risiken. Auch in Situationen wie beim Babyschwimmen gilt: Die Mutter bestärkt, und der Väter regt an.

Le Camus kommt schließlich zu der Erkenntnis, dass Väter nicht nur für den Aufbau der geschlechtlichen Identität und die Konstruktionen des Wertesystems des Kindes von immenser Bedeutung sind, sondern für alle Aspekte der Persönlichkeitsentwicklung des Kindes. Und das ist doch eine wunderbare Sache. Insofern ist das Buch bei aller Wissenschaftlichkeit doch ein großer und wichtiger Mutmacher für alle Väter.

Jean Le Camus, Väter, Beltz, 2003, 11,90 Euro.

Väter-Lounge – Fortsetzung folgt

Um es gleich vorweg zu sagen: Die Väter-Lounge in der Kita Sonnenland in Bickenbach war ein voller Erfolg. Die Mühen und der Aufwand haben sich gelohnt, auch wenn „nur“ sieben Väter (mich eingerechnet) den Weg in die Kita gefunden haben.

Das Großartige an dem Abend war die Erkenntnis, dass die anwesenden Väter ihr Vatersein wirklich und bewusst und leben und dass sie bereit sind, sich auch vor Ort einzubringen.

Zielscheibenmethode bei der Väter-Lounge

Zielscheibenmethode bei der Väter-Lounge

Ein großes Thema war der Wunsch nach einem Väter-Netzwerk. Einige der Väter sind erst seit wenigen Jahren in Bickenbach. Es fehlt ihnen an Kontakten zu Gleichgesinnten.

Väter beobachten, dass die Mütter über die Kontakte in Kita und Schule sowie Spielplatz ein solches Netzwerk aufbauen. Der Ernährer (oder die Ernährerin) hat dazu nur eingeschränkte Möglichkeiten. Es bietet sich an, eine Väterrunde als einen ersten Anknüpfungspunkt zu betrachten. Das hat sich an dem Abend gezeigt.

Natürlich war auch das Thema Vereinbarkeit von Familie und Beruf ein Thema. Man spürt, dass sich hier einiges bewegt, wenn auch noch lange nicht alles optimal ist. Es ging auch um die Frage, ob die Väter genug Zeit für sich selbst haben. Zu allen Themen haben sich die Männer ausgiebig ausgetauscht.

Väter-Lounge: So geht es weiter.

Väter-Lounge: So geht es weiter.

Ergebnis des Abends: Die Väterarbeit in Bickenbach wird fortgesetzt. Wir richten einen Väterstammtisch ein. In der Kita wollen wir an zwei Stellen Väter-Pinnboards für Väterthemen installieren. Auch einzelne Aktionen für Väter mit Kindern wollen wir starten. Auch in Zukunft werde ich über den Fortschritt der Arbeit berichten. Sollte jemand Interesse an dem Konzept haben, darf er gern auf mich zukommen. Ich freue mich drauf.

Väterarbeit und Jungenarbeit passen gut zusammen

Gern verweise ich an dieser Stelle nochmal auf den großartigen Zeitungsartikel im Darmstädter Echo über mich und die Arbeit mit Vätern. Direkt im Anschluss habe ich auch kurz über die Reaktionen berichtet. Einige Projekte und Kontakte, die nach der Veröffentlichung ihren Anfang nahmen, werden jetzt konkreter und fassbarer.

Sehr dankbar bin ich nun dafür, dass mich die AG Jungenarbeit der Stadt Darmstadt und des Landkreises Darmstadt-Dieburg zu einer Sitzung eingeladen hat, damit ich ein wenig über Väterarbeit erzählen kann. Wir wollen versuchen gemeinsame Ansatzpunkte zu finden, um die Jungenarbeit auch über das Väterthema voranzubringen.

An vielen Stellen fehlt es Jungen an männlichen Vorbildern in ihrer frühen Entwicklungsphase. Manchmal reicht das sogar bis in die Familien hinein. Väterarbeit soll, so wie ich sie verstehe, die Väter dafür sensibilisieren, dass sie in ihrer Rolle als Mann und Vater wahnsinnig wichtig für die Entwicklung ihrer Kinder (Jungen wie Mädchen) sind. Sie sollen anwesende Väter sein. Und wenn sie empathische, liebevolle und aufmerksame Väter sind und als solche auch Vorbild, bin ich fest davon überzeugt, dass beispielsweise auch mehr Jungen sich später für Berufe wie Erzieher und Grundschullehrer entscheiden. Hier gibt es ein immenses Defizit. Gemeinsam sollten wir daran arbeiten, dass sich in diesem Punkt in den kommenden Jahren und Jahrzehnten einiges ändert.

Ich wäre froh, wenn ich die Arbeitsgruppe bereichern könnte und sich nach dem Treffen eine Fortführung gemeinsamer Aktivitäten ergibt. Auch darüber werde ich dann an dieser Stelle berichten.

Details zum Vater-Kind-Wochenende in Herbstein im Oktober 2012

Der Urlaub ist vorüber – jetzt geht es auch hier wieder mit neuen Informationen rund um meine Arbeit weiter. Der Flyer für das Vater-Kind-Wochenende in Herbstein vom 5. bis 7. Oktober 2012 ist zwar schon länger im Markt – allerdings habe ich erst jetzt Zugriff auf ein PDF bekommen.

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Einige Infos: Das Wochenende veranstaltet die Katholische Pfarrgemeinde St. Bonifatius in Wiesbaden in Kooperation mit der Katholischen Familienbildungsstätte Wiesbaden. Mein Kollege Heiko Litz und ich leiten das Wochenende mit dem Motto „Komm, wir bauen ein Schiff…“. Die Teilnahmegebühr beträgt pro Familie 149 Euro. Das Wochenende beginnt am Freitag um 18 Uhr und endet am Sonntag um 13 Uhr. Anmeldungen sind unter anderem auch per Mail unter kirchengemeinde@bonifatius-wiesbaden.de möglich. Alle weiteren Informationen befinden sich im Flyer. Wir freuen uns auf intensive Erlebnisse mit unseren Kindern und einen regen Austausch der Väter untereinander.

Ein Wochenende mit begeisterten Wiederholungstätern

Rund vier Wochen liegt das Vater-Kind-Wochenende in Herbstein nun zurück. Es war, ganz wie erwartet, eine sehr schöne und gute Erfahrung. Allerdings lässt dieses Wochenende und die Abläufe und Ergebnisse nicht unbedingt einen Rückschluss auf andere Veranstaltungen dieser Art zu. Es war denn doch zu speziell.

Speziell war es deshalb, weil wir es mit Wiederholungstätern und Vater-Kind-Wochenenden-Profis zu tun hatten. Die meisten Männer und damit auch die meisten Kinder waren schon häufiger dabei, sogar in derselben Konstellation.

Schon am ersten Abend haben sich beim Abendessen so ganz natürlich Vätertische und Kindertische gebildet. Die meisten Teilnehmer stammten aus dem Rheingau und kennen sich auch von dort.

 

Die Teilnehmer des Kolping-Vater-Kind-Wochenendes in Herbstein.

Die Teilnehmer des Kolping-Vater-Kind-Wochenendes in Herbstein.

Insofern gab es keine wirkliche Notwendigkeit, zunächst eine Gruppe zu formen. Sie ar einfach vorhanden. Andererseits war aber auch das Bedürfnis, sich über Väterthemen intensiver auszutauschen, nicht sehr groß. Wir haben entsprechend flexibel reagiert.

Es war also wichtig, dass es vor allem genügend Zeit zum gemeinsamen Erleben und Tun gegeben hat. Die Gruppe der Kinder war sehr heterogen. Die Kinder waren zwischen 2 und 12 Jahren alt. Aber auch darauf haben wir uns eingestellt. So haben Väter mit ihren Kindern eine Mittagspause machen können, während die anderen Männer mit ihrem Nachwuchs schon wieder mit dem Schiffbau beschäftigt waren. Vor allem der Transport der Arche zu einem in der Nähe gelegenen Weiher und natürlich das zu Wasser lassen, waren dann der logische Höhepunkt des Wochenendes, abgesehen vom Lagerfeuer und Zubereiten von Stockbrot.

Das Feedback hat gezeigt, dass all unsere Ziele erreicht wurden. Es ist nicht ausgeschlossen, dass Heiko Litz und ich auch im kommenden Jahr wieder für die Leitung dieses Vater-Kind-Wochenende von Kolping Limburg gebucht werden. Unseren Themenspeicher haben wir am Ende der Veranstaltung auf jeden Fall gut gefüllt.

Aber zuvor werden wir gemeinsam ein weiteres Vater-Kind-Wochenende anbieten. Es wird uns wahrscheinlich wieder nach Herbstein führen. Wir werden das Thema „Komm, bau ein Schiff“ beibehalten. Allerdings wollen wir das Wochenende für Väter mit Kindern im Vorschulalter Grundschulalter (Korrektur vom 30. Mai 2012) ausschreiben. Termin wird voraussichtlich der 5. bis 7. Oktober sein. Wenn das Ganze in trockenen Tüchern ist, werde ich die Veranstaltung hier noch genauer vorstellen.

Einen Bericht vom Vater-Kind-Wochenende aus Papasicht habe ich auf www.passionpapa.de publiziert.

Mehr Öffentlichkeit für Väterthemen

Artikel im Darmstädter Echo vom 10. Mai 2012.

Artikel im Darmstädter Echo vom 10. Mai 2012.

Gestern ist der Artikel über mich im Darmstädter Echo erschienen. Ich habe es geschafft, dass die wesentlichen Aussagen, die ich machen wollte, auch genauso bei der Journalisten-Kollegin angekommen sind – und entsprechend auch so in der Zeitung gelandet sind.

Von einem überbordenden Feedback kann ich nicht sprechen. Vieles fällt in die Kategorie „Familie und Freunde“. Einige bemerkenswerte Dinge gibt es dann aber doch. In einem Kommentar auf google+ heißt es, dass der Sohn in einem Jahr Elternzeit der bislang beste Chef gewesen sei. Ein Stadtjugendpfleger einer benachbarten Kommune hat sich gemeldet, weil man dort auch die Väterarbeit forcieren möchte. In einem Fall wurde das Thema auf einer weiteren Plattform kompetent und pointiert kommentiert und damit weiter in die Welt hinausgetragen.

Vätern Räume schaffen, Spaß am Vatersein vermitteln, werdende Väter und Väter direkt zu unterstützen – das ist die eine Seite der Medaille. Mehr und mehr wird mir aber auch klar, dass das ganze Thema eine erhebliche politische Dimension hat. So fällt mir und meinen Kollegen und allen, die sich für das Vatersein und die entsprechenden Freiräume einsetzen, die Aufgabe zu, ganz viel Bewusstseinsbildung zu betreiben. Das Thema ist dabei, in der Gesellschaft anzukommen. Das Ziel hat es noch lange nicht erreicht.

„Wertvolle Väter“ jetzt auch im Buch

Cover Wertvolle VäterWelchen Einfluss hat die Änderung der Rolle von Vätern in der Kindererziehung auf die Kindererziehung? Dieser Frage ist die Hessenstiftung – Familie hat Zukunft nachgegangen. Die Ergebnisse der Studie, die von der IGS Organisationsberatung durchgeführt wurde, sind jetzt in Form der Publikation „Wertvolle Väter“ veröffentlicht worden.

Interessant ist, welche Eigenschaften Väter ihren Söhnen und Töchtern vermitteln wollen. Ganz hoch im Kurs steht das Selbstbewusstsein. Am unteren Ende der Skala findet sich der Gehorsam wieder. Ein wichtiges Anliegen ist den Vätern die Arbeitsmarktfähigkeit ihrer Kinder. Bei den meisten Eigenschaften gibt es übrigens nur wenig Unterschiede bezüglich des Geschlechts der Kinder.

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Aber welche Werte wollen die Väter ihren Kindern vermitteln? Die Liste führen an: Selbstvertrauen, Liebe, Selbstständigkeit, Menschlichkeit, Toleranz und Respekt. Interessant ist die Frage danach, welche Wertevermittlung die Befragten in ihren Familien „genossen“ haben. Hier manifestiert sich, dass der Satz an vermittelten Werten sich im Zeitlauf deutlich verändert hat. An der Spitze stehen hier nämlich die Werte Verantwortung, Anstand, Selbstständigkeit, Ordnung und Gerechtigkeit.

Im vergangenen Jahr im Juni hat die Hessenstiftung Experten aus Wissenschaft, Politik und Wirtschaft eingeladen, um die Ergebnisse der Untersuchung zu diskutieren. Es ist eine illustre Runde zusammengekommen, zu der auch ich eingeladen war. Ein Großteil der Anwesenden findet sich nun auch mit Fachartikeln zu verschiedenen Themen in des Band „Wertvolle Väter“ wieder. Dabei geht es um Themen wie die gesellschaftspolitische Wertschätzung von Vätern und den Wert der Väter für Unternehmen.

Damit wird der Band „Wertvolle Väter“ zu einer interessanten Fundgrube für alle, die sich ernsthaft mit Väterthemen auseinander setzen oder setzen wollen. Am 15. Mai findet übrigens ein Fachgespräch zum Thema des Buches in Berlin statt. Das dürfte eine inspirierende Veranstaltung werden.

Arbeit an der Heimatbasis

Zum ersten Mal habe ich nun im eigenen Nest meine Idee von Väterarbeit einer größeren Öffentlichkeit vorgestellt. Bei der Familien-Info-Börse der Kita Sonnenland in Bickenbach an der Bergstraße (5600 Einwohner) habe ich einen Stand zu Väterarbeit bespielt. Deutlich mehr als 20 Aussteller haben hier ihre Angebote rund ums Kind und die Familie vorgestellt. Ich bin positiv überrascht, wie viele Leute gestern Nachmittag den Weg in die Kita gefunden haben.

Neben dem Knüpfen wertvoller Kontakte zum Beispiel zum Geburtshaus Osan in Seeheim-Jugenheim und der Erziehungsberatungsstelle des Landkreises Darmstadt-Dieburg habe ich auch sehr interessante Gespräche geführt. Vor allem Frauen jenseits der 40 finden die Idee gut, Väterarbeit auf allen Ebenen zu forcieren. Das ist leider nicht ganz die richtige Zielgruppe. Junge Männer mit ihren Partnerinnen wurden von ihrer Begleitung auf den Stand hingewiesen. Mit Händen in den Hosentaschen und mürrischen Blicken sowie unverständlichem Gemurmel haben die Männer der Zielgruppe dann auf den Hinweis reagiert. Die mir aus Kindergarten und Schule bekannten Mütter haben sich auch interessiert, haben die Notwendigkeit von Angeboten für Väter zum Teil nicht wirklich erkannt: „Braucht man das wirklich?“

Ja, man braucht es. Das ist eine Erkenntnis des Tages. Keine wirklich neue. Zwischen den Zeilen hört man selbst in den Gesprächen, in denen das Ganze infrage gestellt wird, dass es Bedarf gibt. Die Gruppe der Väterbegleiter weiß selbst, dass sehr dicke Bretter gebohrt werden müssen. Wir wissen aber auch, dass es sich lohnt.

Ich nehme in jedem Fall die Arbeit an der heimatlichen Basis auf. Im Rahmen des Programms Kitas als Familienzentren werde ich mit der Leitung der Einrichtung und dem einzigen Erzieher in dem Haus (acht Kindergartengruppen, eine Krippengruppe und zwei Hortgruppen) ein Angebot für Väter und/oder Väter mit Kindern entwickeln. Darauf freue ich mich schon. Und ich werde berichten.