Archiv für Väter und Männer

Wirkungen der Arbeit mit Vätern

Ein inspirierende Tagung liegt hinter mir und rund 70 anderen Interessierten und Aktiven an und in Väterarbeit. Die Tagung „Wirkungen der Arbeit mit Väter“ von der hessenstiftung – familie hat zukunft, in Kooperation mit dem Väterexpertennetz und der Katholischen Erwachsenenbildung Frankfurt im Haus am Dom in Frankfurt.

Wir alle glauben und meinen zu wissen, dass die Arbeit mit Vätern nicht nur wirkt, sondern auch noch positiv wirkt – auf die Väter selbst, auf die Kinder, auf das gesamte Umfeld (inklusive der Unternehmen, in denen Väter tätig sind).

Einige Wirkungsforschung gibt es nun bereits, um das Bauchgefühl mit wissenschaftlichen Daten zu unterfüttern. So richtig etabliert ist dieser Zweig der Forschung allerdings noch nicht – nicht zuletzt dies ist bei der Tagung in Frankfurt deutlich geworden.

Unter die Lupe wurden vor allem die Bereiche Väter in Unternehmen, Väter in der interkulturellen Arbeit und Väter in der Familienbildung genommen. Einige Projekte und Initiativen wurden in diesen Zusammenhängen bereits evaluiert – in der Regel mit positiven Ergebnissen.

Die Arbeit mit Väter und selbstverständlich auch die Evaluierung muss und wird weitergehen. Wir alle wissen nur zu genau, dass da noch viel zu tun ist. Man kann zur empirischen Forschung stehen wie man will: Ohne eine Evaluierung der Arbeit wird es immer schwierig bleiben, finanzielle Mittel für diese Arbeit aus unterschiedlichen Quellen anzuzapfen.

Mittendrin in der Väterarbeit

Das zweite Halbjahr ist nur sehr kurz und doch ist der Terminkalender proppenvoll mit Angeboten für Väter. Ich bin wieder gut beim Familienzentrum Darmstadt eingebunden. Heute war die erste Vater-Baby-Lounge. Ein entspannter Vormittag für Väter mit ihren Kindern bis zu einem Jahr. Parallel findet ein Angebot für die entsprechenden Partnerinnen zur Entspannung statt. Väter waren da, die Partnerinnen lassen noch auf sich warten.

Eine Sache ist deutlich geworden: Vätern fehlt es an Angeboten für das Wochenende. Da gibt es noch einiges zu tun. Ansonsten war es eine sehr angenehme Runde.

Hier geht es zum Programm des Familienzentrums Darmstadt.

Die nächste Vater-Baby-Lounge ist am 12. Oktober um 10 Uhr. Die Termine sind einzeln beim Familienzentrum buchbar.

Väter als Experten?

Es gibt doch immer wieder überraschende Wendungen. Klar, damit müssen wir stets rechnen. Gerade jetzt bin ich aber doch einigermaßen verwirrt.

Kürzlich hatte ich eine Anfrage für einen Workshop von einer Eltern-Kind-Kur-Klinik. Man wolle die Mitarbeiterinnen für typische Väterthemen sensibilisieren, da es immer häufiger vorkomme, dass Väter mit ihren Kindern eine Kur absolvieren. Arbeitstitel: „Väter erziehen anders“. Es sollte um moderne Väterbilder, die Bedeutung von Vätern für die Entwicklung der Kinder, Vater werden/Vater sein und andere wichtige und spannende Themen gehen.

Das finde ich grundsätzlich eine sehr gute Idee. Zum Glück spüren wir immer stärker, dass die Themen „Väter“, „Vaterschaft“ und „Väterlichkeit“ mehr Öffentlichkeit bekommen. Und Relevanz haben.

Leider habe ich den Auftrag nicht bekommen. Das ist schade, aber an sich auch noch nicht schlimm. Dafür habe ich aber eine offizielle Begründung erhalten, die mich stutzig macht und zeigt, dass wir Männer/Väter hier noch einen weiten Weg vor uns haben. Die Wahl fiel nämlich auf eine Frau, also nicht etwa auf einen anderen Mann und Vater. Eine Frau aus der Wissenschaft, hieß es noch. Also, ich bin baff. Es gibt ja doch einige Männer, die in diesem Feld unterwegs sind und sicher sehr, sehr kompetent wären, einen solchen Workshop zu bestreiten. Von mir aus auch aus der Wissenschaft.

Nochmal kurz das Thema: „Väter erziehen anders“. Na gut, wahrscheinlich kennen sich Frauen da doch ein bisschen besser aus.

Und wieder ein Halbjahr für Väter

Strand - SandDas Jahr neigt sich dem Ende entgegen. Und damit ein Jahr mit vielen Angeboten für Väter und Väter mit ihren Kindern. Ich war ganz gut beschäftigt – doch es darf auch noch etwas mehr sein.

Ein Blick in das kommende Jahr verrät: Es wird mehr werden. Ich habe die ersten Termine bereits auf meiner Terminseite eingetragen. In den kommenden Tagen werde ich sie noch um Kess erziehen-Elternkurse ergänzen. Es wird auch wieder ein Vater-Kind-Wochenende geben, bei dem ich als Teamer dabei bin.

Es würde mich sehr freuen, wenn jemand meiner Leser auch einmal in einen der Kurse kommen würde. Also, traut Euch! Und selbstverständlich bieten die Einrichtungen, in denen ich mit meinen Angeboten vertreten bin, auch eine Menge anderer toller Dinge an. Schaut Euch doch einfach auch die Programme vom Familienzentrum Darmstadt und dem Frauen- und Familienzentrum Bensheim einmal genauer an. Es ist sicher etwas Interessantes für jeden dabei.

Das Väter-Magazin (7)

Spannende Themen haben wieder den Weg ins Väter-Magazin gefunden. Nicht ganz uneingennützug habe ich als Aufmacher einen Hinweis auf den Hessischen Vätertag am 15. Juni 2014 reingepackt. Es würde mich freuen, wenn möglichst viele Väter in Hessen diesen Termin vormerken und vor allem bei den Aktionen mitmachen würden. Neben lokalen Veranstaltung rund ums Thema Vatersein kommen in dieser Ausgabe auch wieder viele interessante übergreifende Projekte vor. Ich hoffe, es sind wieder spannende und horizonterweiternde Themen für Euch dabei.

Buchbesprechung: „Wie neu sind die ’neuen Väter‘?“

Johanna Possinger: "Wie neu sind die 'neuen Väter'?"

Johanna Possinger: „Wie neu sind die ’neuen Väter‘?“

Ich gebe es zu. Ich bin skeptisch, wenn Frauen erforschen, wie Männer und Väter so sind, wie sie sich verhalten, was sie denken. Mit dieser Einstellung bin ich auch an die Lektüre des Bändchens „Wie neu sind die ’neuen Väter‘?“ Von Johanna Possinger herangegangen. Soviel gleich vorweg: Meine Sorgen haben sich in diesem Fall als unbegründet herausgestellt.

Possinger, Leiterin der Fachgruppe „Familienpolitik und Familienförderung“ des Deutschen Jugendinstituts in München, gibt einen schnellen Überblick über das Thema Vatersein heute. Sie nimmt in diesem Zusammenhang den Begriff der „Neuen Väter“ kritisch unter die Lupe. Selbstverständlich hat sie recht, wenn sie den Begriff als Kategorie ungeeignet findet. Völlig richtig fragt sie, wo der „Neue Vater“ anfängt. Bei den zwei Vätermonaten? Bei der regelmäßigen Freizeitgestaltung mit den Kindern am Wochenende? Oder doch erst bei einer egalitären Partnerschaft, in der Mann und Frau die Familien- und Hausarbeit aber auch die Erwerbsarbeit zu gleichen Teilen bestreiten. In diesem Kontext ist auch der Titel des Buches zu verstehen.

Bei der Analyse der Situation und dem Forschungsansatz der dem Buch zugrunde liegenden qualitativen Studie geht sie idealtypisch vom egalitären Ansatz aus. Sie stellt die wesentlichen Punkte dar, die einer neuen, modernen, partizipierenden Vaterschaft im Wege stehen. Einer der Punkte: Die Gatekeeper-Funktion der Frau in Fürsorge und Erziehung. Und schließlich gibt sie auch noch fünf Handlungsempfehlungen, für eine väterbewusste Familienpolitik.

Wer sich schnell mit dem Thema Vatersein heute und morgen auseinandersetzen möchte, ist mit dem kleinen Band gut bedient. Er eignet sich auch ganz gut zum Einstieg in die Thematik. Übrigens ist kürzlich auch die „Langfassung“ der Ausführungen bei Springer unter dem Titel „Vaterschaft im Spannungsfeld von Erwerbs- und Familienleben“ erschienen.

Das Väter-Magazin (6)

Seit dem letzten Väter-Magazin ist nur eine Woche vergangen – und erneut gibt es eine Menge Fundstellen im Netz rund um Väterthemen. Kein Wunder, lag doch auch der Internationale Männertag in der vergangenen Woche. Ansonsten geht es auch wieder um Männer in Kitas, Vater-Kind-Aktivitäten und die Beziehung der Väter zu ihren Kindern und vor allem ihren Söhnen. Ich wünsche viel Spaß beim Lesen. Vielleicht ist ja die eine oder andere Anregung dabei. Und es bleibt dabei: Über Feedback freue ich mich – und über ein Weiterverbreiten dieses Posts sowieso.

Das Väter-Magazin (5)

Auch in den vergangenen zwei Wochen sind wieder sehr viele Beiträge rund um uns Väter im Netz zu finden gewesen. Herausgehoben habe ich dieses Mal einen Beitrag, den ein Vater und Journalist im Magazin der Süddeutschen Zeitung veröffentlicht hat. Im Netz gab es dazu viele Kommentare. Dazu hätte man fast ein eigenes kuratiertes Magazin veröffentlichen können. Wer Zeit und Lust hat, kann sich selbst ein Bild machen und einmal um diesen Artikel herumrecherchieren – und dabei einiges über den immer noch tobenden Geschlechterkampf lernen. Außerdem startet jetzt ein sehr interessantes Weiterbildungsprogramm in Nordhessen. Dort können sich Väter für die Leitung von Vater-Kind-Aktionen (-Wochenenden) qualifizieren. Ansonsten wünsche ich den Lesern eine inspirative und unterhaltsame Lektüre. Ich freue mich auf Feedback.

Buchbesprechung: „Eltern, setzt euch durch!“

Werner Haas: "Eltern, setzt euch durch!"

Werner Haas: „Eltern, setzt euch durch!“

Wenn ich als Kess erziehen-Kursleiter einen Erziehungsratgeber lese, dann lese ich ihn selbstverständlich auch unter Kess-Gesichtspunkten. Genauso ist es auch bei der Lektüre des Erziehungsratgebers „Eltern, setzt euch durch! – Keine unnötigen Machtkämpfe mehr“ von Werner Haas aus dem Kreuz Verlag gewesen.

Der Titel versucht aufzufallen, laut zu sein. Orange-rotes Cover, auf dem Foto ein Megafon. Erziehungsratgeber müssen auffallen um aufzufallen. Zu groß ist das Angebot an entsprechenden Hilfsangeboten für besorgte und/oder verzweifelte Eltern. Auch der Titel ist reißerisch – so recht zum Foto mag er nicht passen. Die Aufforderung, dass sich Eltern gegenüber ihren Kindern durchsetzen mögen, schreien die Kinder ja nicht heraus. Es handelt sich allenfalls um stille Botschaften hinter Verhaltensweisen – aber darauf wollte der Verlag wahrscheinlich gar nicht hinaus. Dass nämlich Kinder Orientierung und Grenzen wünschen, innerhalb derer sie sich bestmöglich entwickeln und entfalten können.

So wirkt der Titel schon auf den ersten Blick nicht besonders kess. Und doch stecken viele Parallelen in den Ansätzen von Haas und dem Elternkurskonzept Kess erziehen.

Werner Haas, Psychologe, Supervisor und Familientherapeut, legt hier kein umfassendes Erziehungskonzept vor. Es geht vielmehr um eine Aneinanderreihung von Verhaltens- und Erziehungstipps, die auch mehr oder weniger aufeinander aufbauen. Das Buch ist klar gegliedert. Die großen Themen: „Was will ich?“, „So bring ich’s rüber“, „So verleihe ich meiner Forderung Nachdruck“ und „Machtkämpfe meistern“.

Quasi jedes der insgesamt 64 Kapitel wird am Ende noch einmal in wenigen Worten zusammengefasst. Das ist praktisch. Wer das Buch also einmal in seiner Gänze erfasst hat, kann bei Bedarf die Zusammenfassung lesen und sich damit die Gedanken und Tipps des Autors ins Gedächtnis rufen und möglicherweise auch direkt anwenden. Haas reichert seine Verhaltensanregungen mit vielen sicher den meisten Eltern bekannten Beispielen aus dem Erziehungsalltag an. Er erklärt, wie sich Machtkämpfe zwischen Kindern und Eltern meistern lassen und sie schließlich auch verhindert werden können. Hierbei kommt es auf eine deutliche und klare Ansprache an, sagt Haas, was sich nicht immer mit den weichgespülten Erziehungstipps anderer Autoren in Einklang bringen lässt. Aus seiner Sicht ist grenzenlose Harmonie nicht immer zielführend. An einigen Stellen bin denn auch ein wenig zusammengezuckt.

Zu Beginn geht es Haas deutlich darum den modernen und aus seiner Sicht weichgespülten Erziehungskonzepten etwas entgegen zu stellen. Und das bekommt er auch hin. Der Autor, der in er Erziehungs- und Familienberatung in Pirmasens tätig ist, weist aber immer wieder darauf hin, das es um ein respektvolles und wertschätzendes Miteinander von Eltern und Kindern geht. Insofern wird das Buch im Verlauf dann doch immer kesser. Allerdings ist das oft nur in Klammern oder Nebensätzen zu lesen. Insofern birgt das Buch auch Gefahren, wenn nämlich genau diese Dinge überlesen werden. Gerade beim Thema Strafen ist das nicht unerheblich. So wird körperliche Züchtigung hier keineswegs empfohlen, ein bisschen anfassen allerdings darf es schon sein. Hier ist aber Empathie und Sensibilität bei den Eltern gefragt. Und diese Eigenschaften kann man sich nicht anlesen. Hier geht es um Haltung – und die bringt vielleicht nicht jeder Leser mit.

Zwei Punkte machten mir bei der Lektüre Probleme. Zum einen das zugrundeliegende Menschenbild im Bezug auf die Kinder. Man gewinnt den Eindruck, dass die Kinder ihren Eltern etwas Böses wollen und den Machtkampf inkl. Provokation suchen, und zwar unentwegt. Da habe ich meine Zweifel.

Der zweite Punkt hängt mit dem ersten zusammen – und ich habe ihn zuvor bereits angedeutet. Mir wird hier zu wenig eine Erziehungshaltung vermittelt, die nämlich dabei helfen könnte, die Situationen, in denen es um Machtkämpfe geht, grundsätzlich zu minimieren. Die Sichtweise des Autors ist sehr situationslastig (das hat sicher mit der Erfahrung aus der Erziehungsberatung zu tun), der Ansatz ist mir nicht ganzheitlich und nachhaltig genug. Wenn dies einmal aufscheint, dann nur zwischen den Zeilen. Der unbedarfte Leser mit wenig Vorerfahrung im Bereich der Erziehungsunterstützung mittels bspw. Elternkursen, könnte das Buch zu sehr als Rezeptbuch nutzen, das nur in bestimmten Situationen herangezogen wird. Und zwar dann, wenn die Verzweiflung der Eltern so groß ist, dass ein Rezept unbedingt her muss. Dann geht es aber nur um die Symptome, nicht um die Ursachen.

Dass es deutlich Parallelen zu Kess erziehen gibt, deutet sich im Bereich der natürlichen und der vertraglich vereinbarten Konsequenzen an. Der Autor kritisiert den aus Kess bekannten Begriff der logischen Folge. Damit stößt er einen möglicherweise wertvollen Diskurs an. Allerdings ist dieser Aspekt auch nur für Leser mit einer „kessen“ Vorbildung relevant.

Bei aller Kritik: Es stehen viele richtige Dinge in dem Buch. Allerdings werden die Kinder zu sehr als kleine Monster beschrieben. Die Situationen, in denen die Rezepte wirken, müssten möglicherweise gar nicht erst entstehen, wenn die Haltung der Eltern insgesamt eine andere wäre. Unterm Strich wollen „Kess“ und Werner Haas allerdings dasselbe. Eine wertvolle Erziehungserfahrung und eine Erziehung, die Kindern  optimale Entwicklungsmöglichkeiten bietet.

Werner Haas, Eltern setzt euch durch! – Keine unnötigen Machtkämpfe mehr, Kreuz Verlag, 2013, 12,00 Euro

 

Unerwartete Begegnung im Buchladen

Neulich bin ich mit meiner Familie in den Darmstädter Stadteil Eberstatdt gefahren. Mein Ziel: Ich wollte jedem ein Buch ausgeben – quasi freie Auswahl. Beim Verlassen des Buchladens staunte ich nicht schlecht, als ich folgenden Band im Schaufenster sah:

Yves Steininger: Der Vater-Vorteil

Yves Steininger: Der Vater-Vorteil

Sehr überraschend. Eine Bachelorarbeit zu diesem Thema. Kurz recherchiert: Yves Steininger hat mit dieser Arbeit seinen Bachelor in Psychologie gemacht. Er ist seit Anfang 2012 als selbstständiger Kinder- und Jugendlichencoach in Darmstadt-Eberstadt tätig. Interessant, dass sich doch noch einige andere Leute in dierekter Nachbarschaft mit Väter-Themen auseinandersetzen. Ein gutes Zeichen ist es allemal.

Einige Infos zum Buch finden sich in der entsprechenden Pressemitteilung.