Buchvorstellung: Mein Vater und ich – Prominente erzählen

Das Magazin Focus hat dem Thema „Väter“ eine eigene wöchentliche Kolumne spendiert. Das ist sehr löblich. In diesem Format unter der Überschrift „Mein Vater“ erzählen Prominente bzw. Kinder von prominenten Vätern über ihre Beziehung zu ihrem Vater.

Mein Vater und ich - Buchtitel

„Mein Vater und ich – Prominente erzählen“, Kösel Verlag

Selbstverständlich bietet es sich an, bei Gelegenheit einen Sammelband aus einer solchen Serie zu machen und die gesammelten Werke als Buch zu verkaufen. Das Werk „Mein Vater und ich – Prominente erzählen“, herausgegeben von Focus-Redakteur Josef Seitz, ist nun schon seit einiger Zeit auf dem Markt, ziemlich genau seit einem Jahr, ist aber in jedem Fall auch heute noch eine Erwähnung wert.

46 Statements über Väter finden sich in dem ansprechend aufgemachten Band (sehr viele Fotos von prominenten Väter und prominenten Kindern) aus dem Kösel Verlag. Das Spektrum reicht in verschiedener Hinsicht recht weit. Einige Aussagen lassen sehr tief in die Beziehung von Vater und Kind blicken, andere bleiben eher an der Oberfläche. Das lässt Raum für Spekulationen. Diese Oberflächlichkeit hat aber auch in dem einen oder anderen Fall sicher seine Bedeutung – vor allem in Bezug auf die Bindung zwischen Vater und Kind. Die Qualität der Bindung hält ein Leben lang – das machen die Aussagen der Kinder sehr deutlich.

Häufig geht es dann auch wieder um den abwesenden Vater, vor allem wenn über prominente Väter – Politiker, Schauspieler, Entertainer – gesprochen wird. In der Regel wird dann betont, dass der Vater, wenn er denn einmal zu Hause bei seiner Familie war, sich sehr um diese gekümmert habe. Hier unterstelle ich in einigen Fällen eine Verklärung der Situation, die der weit zurück liegenden Ereignisse oder der konkreten, gegenwärtigen Interview-Situation geschuldet sein dürfte.

Es gibt aber auch Fälle, in denen sehr offen die mangelnde Bindung der Väter zu ihren Familien und vor allem Kindern beklagt wird. Hier zeigen sich teilweise auch echte Verletzungen, die sich über Jahrzehnte gehalten haben. Berührend sind die Schilderungen der Kinder, die über eine Versöhung in vorgeschrittenem Alter des Vaters berichten, während es in der Zwischenzeit eine eher eisige oder gar keine Beziehung zum Vater gab.

Die Beziehung zum Vater ist etwas ganz Besonderes. Das wissen wir. Ein Buch, das uns diese Tatsache deutlich vor Augen hält, ist in jedem Fall wertvoll. Viele der ausgewählten Aussagen regen zum Nachdenken über die eigene Beziehung zum Vater oder vielleicht auch über sich selbst an. Klar, das Buch unterhält selbstverständlich auch – dazu trägt der mehr oder minder vorhandene Promifaktor bei. Aber es ist ja nicht das schlechteste, wenn Unterhaltung und Erntshaftigkeit bei einem solch wichtigen Thema Hand in Hand gehen.

Josef Seitz (Hrsg.), Mein Vater und ich – Prominente erzählen, 2012, Kösel Verlag, 224 Seiten mit zahlreichen Fotos, 19,90 Euro

 

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