Der Wert der Väter

Gestern Abend im Haus am Dom in Frankfurt. Eine interessant und kompetent besetzte Podiumsdiskussion. Im Fokus: Die Väter. Das Thema konkret: Der Wert der Väter. Drei Männer, zwei Frauen. Die Veranstaltung ist gut besucht. Nach den Eingangsstatements wird schnell deutlich: Der Titel lässt zu viel Raum für Interpretation.

Foto Der Wert der Väter

Podiumsdiskussion „Der Wert der Väter“ im Frankfurter Haus am Dom.

Wenn es um den Wert von Vätern geht, geht es mir in erster Linie um den Wert der Väter in der Beziehung zum Kind. Was macht Väterlichkeit aus? Wo in unserer Gesellschaft fehlt Väterlichkeit und – damit einhergehend – ihr Anteil an einer besseren Gesellschaft. Es geht mir in keiner Weise um Egalität der Geschlechter. Die oft gestellte Frage, welches Geschlecht die bessere Mutter ist, ist nicht zielführend.

Pointiert vertritt diese Ansicht Dr. Matthias Stiehler, der gerade das Buch Väterlos veröffentlicht hat. Zentral ist in seinem Buch die Definition des Begriffs Väterlichkeit. Stiehler war gestern Abend der einzige auf dem Podium, der die Mikroperspektive und den Einzelfall qua Profession auf dem Schirm hatte, als Theologe und Psychologe, der in der Beratung in Dresden beim Institut fü Männergesundheit tätig ist. Die übrigen Teilnehmer der Diskussion, Dr. Martin Bujard (Bundesinstitut für Bevölkerungsforschung, Wiesbaden), Prof. Dr. Uta Meier-Gräwe (Universität Gießen, Haushalts- und Familienwissenschaft), Prof. Dr. Ludwig Salgo (Universität Frankfurt, Familienrechtler), haben ein Makroperspektive, ebenfalls qua Profession, in die Diskussion eingebracht.

Das hat einige der männlichen Besucher aus der Garde der entsorgten und entrechteten Väter aufgebracht, die mit ihrem persönlichen Fall zu dieser Veranstaltung gekommen sind. Sie haben ihren Unmut geäußert und natürlich vor allem in Uta Meier-Gräwe und in Ludwig Salgo ihre Feinde für den Abend gefunden und diese in nicht sehr wertschätzender Art angegangen. Obwohl diese Männer den Titel der Veranstaltung so gelesen haben, dass es hier um die Wertschätzung der Väter in unserer Gesellschaft gehen würde. Keine Frage, auch hier gibt es ein Defizit. Aus meiner Sicht haben Damm diese Fälle den Abend zu sehr geprägt. Viel lieber hätte ich noch ein paar mehr Ausführungen von Stiehler gehört. Er legt nämlich den Finger auf einige wunde Stellen. Für ihn sind die neuen Väter zu angepasst. Sie eifern den Müttern nach und interpretieren Väterlichkeit damit in eine Richtung, die er für falsch hält. Er fordert massiv ein Umlenken.

Sehr wichtig und richtig war der Hinweis des Juristen Ludwig Salgo, der eine intensive Eheschulen- und Familienbildungsarbeit für richtig hält, um beispielsweise die Zahl der Scheidungen zu reduzieren und es Kindern insgesamt zu ermöglichen, in einem kindgerechten Umfeld aufzuwachsen. Meier-Gräwe hat gefordert, dass sich Schulen, bereits ab der ersten Klasse, mit „Lebenskompetenzenwicklungs-Unterricht“ befassen. Das hielte sie im Zusammenhang mit der Etablierung der Ganztagsschule für eine sinnvolle Ergänzung des Curriculums.

Es gibt viele Baustellen und wir könne noch mehr aufmachen. Gut ist trotz allem, dass es solche Veranstaltungen gibt. Und doch liegt es an jedem selbst, für seine Ideale einzutreten und für eine bessere Welt zu kämpfen. Ich bin fest überzeugt, dass das Thema Väterlichkeit hier einen wichtigen Beitrag leisten kann. Wir müssen das Thema vorantreiben. Mitstreiter werden gesucht.

Das Plakat zur Diskussion.

Das Plakat zur Diskussion.

Info: Veranstalter dieser Podiumsdiskussion war der Frankfurter Domkreis Kirche und Wissenschaft in Kooperation mit den kath. Familienbildungsstätten Familienbildung Frankfurt/Nordweststadt, Zentrum Familie, Internationales Familienzentrum.

Aus der Veranstaltungbeschreibung: Sie riskieren Kinder und Jahre langer Bindung. Trotz Papa-Monaten sind sie immer noch hin und her gerissen zwischen Beruf, Karriere, Prekarität und Sorgearbeit. Über die Frage, wie die Werte und Erfordernisse im Beruf das Verhalten als Eltern prägen, welchem Druck Eltern heute ausgesetzt sind, und von welchen Vätern und Männern man eigentlich heute reden muss, diskutieren und streiten beim Aktuellen Forum Martin Bujard (Bundesinstitut für Bevölkerungsforschung, Wiesbaden), Uta Meier-Gräwe (Universität Gießen, Haushalts- und Familienwissenschaft), Ludwig Salgo (Universität Frankfurt, Familienrechtler und „Anwalt des Kindes“), Matthias Stiehler (Dresdner Institut für Männergesundheit, Autor der aktuellen Streitschrift „Väterlos“). Es moderiert Sylvia Kuck vom Hessischen Rundfunk.

Und hier noch einige Zitate von gestern Abend (Wortlaut bzw. inhaltsgetreue Nacherzählung):

Matthias Stiehler:

„Väter dürfen nicht zu Ersatzmüttern werden, leider ist das die Erwartung der Gesellschaft.“

„Keine Lust auf Kinder nicht nur eine Frage des Materiellen. Es ist eine Frage der Haltung. Was sind wir für eine Wohlstandsgesellschaft, wenn wir glauben, dass wir uns keine Kinder mehr leisten können und wollen?“

„Gleichmacherei auf allen Ebenen ist keine Vision.“

Uta Meier-Gräwe:

„Wenn Frauen in die Arbeitswelt integriert werden sollen, dann müssen wir uns fragen, wer die wichtige Beziehungsarbeit mit den Kindern übernimmt.“

„Wir brauchen mehr als einen Väterdiskurs.“

„Arbeitgeber sollten das gar nicht mehr kalkulieren können, dass Väter nur zwei Monate und Frauen weit länger ausfallen.“

„Wir können eine Diskussion um Werte nicht von der Realität entkoppeln.“

„Befristete Arbeitsverhältnisse sind das beste Verhütungsmittel.“

Martin Bujard:

„Elterngeld und „Partner“monate sind ein große Erfolg.“

„Die Kultur in den Betrieben können wir leider nicht per Gesetz regeln.“

„Man darf Werte und Rahmenbedingungen nicht gegeneinander ausspielen.“

„Männer wissen zu wenig über den Wert von Vaterschaft.“

Ludwig Salgo:

„Es gab in den vergangenen Jahren viel Väterforschung. Wir haben jetzt Befunde und ein Bild, aber es mangelt noch an Rezepten.“

5 comments

  1. Ein Vater sagt:

    Der Wert der Väter in Deutschland lässt sich ganz einfach definieren:
    Gehalt.

    Alles andere interessiert niemanden. Ob die Kinder den Vater lieben, ob der Vater seine Kinder liebt, ob es Konflikte zwischen Kindern und Mutter gibt.

    Das ist alles scheißegal. Der Wert des Vaters drückt sich in Deutschland nur und ausschließlich über sein Einkommen aus.

  2. MANN darf nur VATER sein, wenn es der MUTTER RECHT ist, ansonsten wachsen die Kinder „Vaterseelen allein“ auf…

    Daher Rufen wir auf:
    „Mach es mit“…, den Präservative schützen nicht nur vor einer ansteckenden Krankheit, sondern auch von ungewollter Schwangerschaft. Und Familienplanung sollte auch Männersache sein.

    Für die TRNNUNGSELTERN-Initiative
    Günter Mühlbauer REGENSBURG

  3. Vielen Dank für die Beschreibung der Veranstaltung, die ich insgesamt treffend finde.
    Mit einer kleine Korrektur des letzten Zitats von mir. Es muss heißen: “Gleichmacherei auf allen Ebenen ist keine Vision.” sonst macht es keinen Sinn.

  4. Michael Baleanu sagt:

    „um beispielsweise die Zahl der Scheidungen zu reduzieren“ Seit dem zweiten Weltkrieg hat jede Änderung im Familienrecht nur zu einer Erhöhung der Zahl der Familienverfahren geführt. 1961 hatten wir noch 77000 Verfahren. 2010 hatten wir 690000 Verfahren. 2010 hatten wir erstmals mehr Familienverfahren als Neugeburten.

    Die Professionen mit der Makrovision haben doch kein Interesse daran, den Vater wertzuschätzen. Der Vater ist nur dann wertvoll, wenn er ausgenommen werden kann. Ausgenommen kann er nur dann, wenn er von seinen Kindern ferngehalten wird, um ihn zum Kampf um mehr Nähe an seine Kinder zu bewegen. Selbstverständlich wird dieser Kampf dann von den Professionen „unterstützt“. Eine „Unterstützung“ ist die Anwaltspflicht. Blöd nur, dass die Väter nicht kapieren, dass die einzigen die unterstützt werden sollen, eben die Professionen selbst sind.

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