Kinderlosigkeit sanktionieren ist Blödsinn

Da steht ein Thema im Raum, das nach einem Beitrag schreit. Eigentlich will ich hier gar nicht so viel über Familienpolitik schreiben. Aber der neuerliche Vorstoß (insgesamt ist es ja auch kein neuer Vorschlag) von einigen jungen Wilden in der Union hat so viel Wirbel verursacht, dass es auch mich erwischt hat.

Grob gesprochen wollen die jungen Politiker Kinderlosigkeit bestrafen. Damit mehr Kinder geboren werden. Damit die Kinderlosen am Ende nicht nur von den Kindern anderer profitieren, wenn diese nach dem Generationenvertrag dann auch deren Renten finanzieren müssen. In Kommentaren der Medien und den darauf folgenden Kommentaren der Leser werden manchmal auf äußerst bedenklichem Niveau die Argumente Für und Wider ausgetauscht. Tausendfach.

Befremdlich sind vor allem jene Kommentare, in denen Eltern vorgeworfen wird, sie hätten Kinder in die Welt gesetzt und würden sich damit völlig selbstverschuldet einem Luxus hingeben, den die Kinderlosen nicht finanzieren wollen. Der Vorwurf: Keiner denkt bei der Zeugung an die Gesellschaft. Ehrlich gesagt fehlen einem hier die Worte. (Hier als Beispiel ein Kommentar auf Handelsblatt.com.)

Welches Gemeinwesen funktioniert denn ohne Nachwuchs? Wer sichert den Wohlstand, wenn nicht die Berufstätigen, Ingenieure, Konsumenten und Einzahler in die Sozialkassen von morgen? Ein Wahnsinn, was da gerade läuft.

Kinderlosigkeit sanktionieren zu wollen, ist dennoch der falsche Weg. Eine Gesellschaft, der der Nachwuchs wichtig ist, soll erstmal alles dafür tun, dass sie eine Gesellschaft wird, die Kindern gegenüber positiv eingestellt ist. Das hat viel mit Geld zu tun, aber nicht nur. Es mangelt in diesem Land an einer positiven Stimmung gegenüber Kindern. Das ist das große Problem. Die Vereinbarkeit von Familie und Beruf als gesellschaftliches Ziel, unterstützt von Unternehmen und der Politik, ist weitestgehend ein Mythos. Dabei steckt Hier ein kräftiger Hebel auf dem Weg zu einer kinderfreundlichen Gesellschaft. Hausaufgaben machen ist angesagt, nicht das Schüren von innergesellschaftlichen Konflikten durch mit negativer Energie gespickten populistischen Vorschlägen.

PS: Ein schönes Beispiel aus meinem Mikrokosmos. Der Bürgermeister unserer Kommune hat kürzlich angekündigt die Kindergartenpreise zu erhöhen. An dieser Schraube hätte man schon zu lange nicht gedreht.

5 comments

  1. Kira Nolte sagt:

    Meine Meinung??
    Ich finde das absolut unverschämt schon alleine aus dem Grund das es genug Leute gibt die nicht Freiwillig Kinderlos sind..und die Leute mit Kindern zahlen doch eh schon weniger Steuern…
    sowas von dreist…

  2. Ich fänd’s ja besser, wenn Kinderhaben belohnt würde (durch Senkung der Sätze für die Pflegeversicherung z.B.) als die manchmal auch ungewollt Kinderlosen zu bestrafen. Aber das gibt die Staatskasse ja wohl nicht her. Womit wir auch wieder beim alten Thema „Mehrwertsteuersätze für Babyartikel auf 7% senken wären“…

  3. Doro Gaupp sagt:

    Wäre gestern der 1. April gewesen, hätte ich an einen Aprilscherz gedacht. Leider ist dem nicht so!
    Vielen Dank für Deine Gedanken dazu. Ich kann dem nur zustimmen.

    In meinen Kursen erlebe ich immer wieder wie schwierig es ist, Familie und Beruf zu vereinbaren – für beide Elternteile. Die Betreuungszeiten sind nicht flexibel genug und ausreichend Betreuungsplätze sind auch noch nicht vorhanden.
    Glücklich, wer ein funktionierendes Netzwerk hat!

  4. Kerstin Vaziri sagt:

    @ Mama arbeitet: Ich sehe es genau wie Du. Familien müssen viel stärker entlastet werden. Das ist von höchstrichterlicher Stelle längst als Empfehlung an die Politik gegangen. Wird aber nicht oder absolut mangelhaft umgesetzt.
    Es kann wohl kaum die Lösung sein, Kinderlosigkeit zu bestrafen, wenn ich keine optimalen (oder wenigstens gute) Bedingungen schaffe, um Kinder großzuziehen.

  5. […] Bereits im Februar habe ich an dieser Stelle darüber berichtet, dass der Bürgermeister eine Erhöh… […]

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