Mehr Öffentlichkeit für Väterthemen

Artikel im Darmstädter Echo vom 10. Mai 2012.

Artikel im Darmstädter Echo vom 10. Mai 2012.

Gestern ist der Artikel über mich im Darmstädter Echo erschienen. Ich habe es geschafft, dass die wesentlichen Aussagen, die ich machen wollte, auch genauso bei der Journalisten-Kollegin angekommen sind – und entsprechend auch so in der Zeitung gelandet sind.

Von einem überbordenden Feedback kann ich nicht sprechen. Vieles fällt in die Kategorie “Familie und Freunde”. Einige bemerkenswerte Dinge gibt es dann aber doch. In einem Kommentar auf google+ heißt es, dass der Sohn in einem Jahr Elternzeit der bislang beste Chef gewesen sei. Ein Stadtjugendpfleger einer benachbarten Kommune hat sich gemeldet, weil man dort auch die Väterarbeit forcieren möchte. In einem Fall wurde das Thema auf einer weiteren Plattform kompetent und pointiert kommentiert und damit weiter in die Welt hinausgetragen.

Vätern Räume schaffen, Spaß am Vatersein vermitteln, werdende Väter und Väter direkt zu unterstützen – das ist die eine Seite der Medaille. Mehr und mehr wird mir aber auch klar, dass das ganze Thema eine erhebliche politische Dimension hat. So fällt mir und meinen Kollegen und allen, die sich für das Vatersein und die entsprechenden Freiräume einsetzen, die Aufgabe zu, ganz viel Bewusstseinsbildung zu betreiben. Das Thema ist dabei, in der Gesellschaft anzukommen. Das Ziel hat es noch lange nicht erreicht.

“Wertvolle Väter” jetzt auch im Buch

Cover Wertvolle VäterWelchen Einfluss hat die Änderung der Rolle von Vätern in der Kindererziehung auf die Kindererziehung? Dieser Frage ist die Hessenstiftung – Familie hat Zukunft nachgegangen. Die Ergebnisse der Studie, die von der IGS Organisationsberatung durchgeführt wurde, sind jetzt in Form der Publikation “Wertvolle Väter” veröffentlicht worden.

Interessant ist, welche Eigenschaften Väter ihren Söhnen und Töchtern vermitteln wollen. Ganz hoch im Kurs steht das Selbstbewusstsein. Am unteren Ende der Skala findet sich der Gehorsam wieder. Ein wichtiges Anliegen ist den Vätern die Arbeitsmarktfähigkeit ihrer Kinder. Bei den meisten Eigenschaften gibt es übrigens nur wenig Unterschiede bezüglich des Geschlechts der Kinder.

Aber welche Werte wollen die Väter ihren Kindern vermitteln? Die Liste führen an: Selbstvertrauen, Liebe, Selbstständigkeit, Menschlichkeit, Toleranz und Respekt. Interessant ist die Frage danach, welche Wertevermittlung die Befragten in ihren Familien “genossen” haben. Hier manifestiert sich, dass der Satz an vermittelten Werten sich im Zeitlauf deutlich verändert hat. An der Spitze stehen hier nämlich die Werte Verantwortung, Anstand, Selbstständigkeit, Ordnung und Gerechtigkeit.

Im vergangenen Jahr im Juni hat die Hessenstiftung Experten aus Wissenschaft, Politik und Wirtschaft eingeladen, um die Ergebnisse der Untersuchung zu diskutieren. Es ist eine illustre Runde zusammengekommen, zu der auch ich eingeladen war. Ein Großteil der Anwesenden findet sich nun auch mit Fachartikeln zu verschiedenen Themen in des Band “Wertvolle Väter” wieder. Dabei geht es um Themen wie die gesellschaftspolitische Wertschätzung von Vätern und den Wert der Väter für Unternehmen.

Damit wird der Band “Wertvolle Väter” zu einer interessanten Fundgrube für alle, die sich ernsthaft mit Väterthemen auseinander setzen oder setzen wollen. Am 15. Mai findet übrigens ein Fachgespräch zum Thema des Buches in Berlin statt. Das dürfte eine inspirierende Veranstaltung werden.

Arbeit an der Heimatbasis

Zum ersten Mal habe ich nun im eigenen Nest meine Idee von Väterarbeit einer größeren Öffentlichkeit vorgestellt. Bei der Familien-Info-Börse der Kita Sonnenland in Bickenbach an der Bergstraße (5600 Einwohner) habe ich einen Stand zu Väterarbeit bespielt. Deutlich mehr als 20 Aussteller haben hier ihre Angebote rund ums Kind und die Familie vorgestellt. Ich bin positiv überrascht, wie viele Leute gestern Nachmittag den Weg in die Kita gefunden haben.

Neben dem Knüpfen wertvoller Kontakte zum Beispiel zum Geburtshaus Osan in Seeheim-Jugenheim und der Erziehungsberatungsstelle des Landkreises Darmstadt-Dieburg habe ich auch sehr interessante Gespräche geführt. Vor allem Frauen jenseits der 40 finden die Idee gut, Väterarbeit auf allen Ebenen zu forcieren. Das ist leider nicht ganz die richtige Zielgruppe. Junge Männer mit ihren Partnerinnen wurden von ihrer Begleitung auf den Stand hingewiesen. Mit Händen in den Hosentaschen und mürrischen Blicken sowie unverständlichem Gemurmel haben die Männer der Zielgruppe dann auf den Hinweis reagiert. Die mir aus Kindergarten und Schule bekannten Mütter haben sich auch interessiert, haben die Notwendigkeit von Angeboten für Väter zum Teil nicht wirklich erkannt: “Braucht man das wirklich?”

Ja, man braucht es. Das ist eine Erkenntnis des Tages. Keine wirklich neue. Zwischen den Zeilen hört man selbst in den Gesprächen, in denen das Ganze infrage gestellt wird, dass es Bedarf gibt. Die Gruppe der Väterbegleiter weiß selbst, dass sehr dicke Bretter gebohrt werden müssen. Wir wissen aber auch, dass es sich lohnt.

Ich nehme in jedem Fall die Arbeit an der heimatlichen Basis auf. Im Rahmen des Programms Kitas als Familienzentren werde ich mit der Leitung der Einrichtung und dem einzigen Erzieher in dem Haus (acht Kindergartengruppen, eine Krippengruppe und zwei Hortgruppen) ein Angebot für Väter und/oder Väter mit Kindern entwickeln. Darauf freue ich mich schon. Und ich werde berichten.

Ohne väterorientierte Personalpolitik fehlt etwas

Es ist noch ein harter und steiniger Weg, aber irgendwann werden nicht nur ein paar Exoten unter den Unternehmen erkennen, dass es mit einer frauenorientierten Personalpolitik hinsichtlich der Vereinbarkeit von Beruf und Familie nicht getan ist. Auch für die Männer muss noch sehr viel getan werden. Es handelt sich um ein ganzheitliches Thema.

Die Hessenstiftung ist eine der Institutionen, die sich mit ihrem Programm “Väter in Familie und Beruf” für dieses Anliegen stark macht. Ein weiterer Baustein dieses Engagements ist die qualitative Studie “Väter und der Wiedereinstieg der Partnerin”, die von der Hessenstiftung und dem Bundesfamilienministerium gemeinsam in Auftrag gegeben wurde. Organisationsberater Hans-Georg Nelles aus Düsseldorf (vaeterblog.de) hat die Studie durchgeführt. Eine Erkenntnis: Je mehr Elternzeiterfahrung die Väter haben, umso besser unterstützen sie ihre Partnerinnen beim beruflichen Wiedereinstieg.

Die Vorstandsvorsitzende der Hessenstiftung, die hessische Staatssekretärin im Sozialministerium Petra Müller-Klepper, ist überzeugt, dass Wiedereinsteigerinnen in den Beruf ganz besonders auf die Unterstützung der Partner angewiesen sind. Ein Schlüssel dafür ist die Anerkennung der väterlichen Familienarbeit. Dass es daran noch weitestgehend hapert, ist kein Geheimnis. Ein Knackpunkt: In der Regel fehlt das Verständnis des Arbeitgebers. Aber auch hier leisten Männer und Väter wie Hans-Georg Nelles und Volker Baisch von der Hamburger Väter gGmbH wichtige Arbeit in den Unternehmen. Ihr Credo: Väterorientierte Personalpolitik zahlt sich in vielfältiger Weise aus. Sie gehen in die Unternehmen hinein und schärfen das Bewusstsein dafür, dass Väter nicht zuletzt durch ihre Rolle in der Familie besondere Stärken und Fähigkeiten haben, von denen vor allem die Unternehmen profitieren können.

Bei einem Fachgespräch am Mittwoch in Wiesbaden sagte Nelles: “Väter sind bereit, Veränderungen im Familiensystem beim Wiedereinstieg der Partnerin mitzutragen und gegebenfalls ihre eigene Arbeitszeit zu reduzieren. Allerdings muss diese Bereitschaft rechtzeitig abgerufen werden.” Wesentlich ist nach seinen Beobachtungen, dass die Partnerin bereit ist, ihre Verantwortung für das Familieneinkommen zu übernehmen.

Nelles hat für die Studie drei Gruppen von Vätern befragt. Väter ohne eigene Elterenzeiterfahrung und mit einer Partnerin, die bereits in den Beruf zurückgekehrt ist. Väter mit zwei Monaten. Und schließlich Väter mit einer Elternzeiterfahrung von mehr als sechs Monaten sowie Väter, die schon älter als 38 Jahre alt waren or die Elternzeit erst beim zweiten oder dritten Kind in Anspruch genommen haben.

Welche politischen Maßnahmen lassen sich aus dem Erkenntnissen der Studie ableiten? Eine Ausweitung der Partnermonate von zwei Monaten bis auf die Hälfte der Elternzeit wäre denkbar, hieß es in der Runde. Politisch wäre dies sicher ein Ansatz. Ganz wichtig ist aber, dass man auch noch andere Stellschrauben nutzt, damit Väter mit ihrem Anliegen Beruf und Familie unter einen Hut zu bekommen, näher kommen. Die Akzeptanz in der Gesellschaft ist dafür bei Weitem noch nicht groß genug. Wir Väter müssen also gemeinsam an dieser Aufgabe weiterarbeiten. Ich glaube, dass sich das lohnt. Und: Auch die Mütter, die wieder in ihrem Beruf arbeiten wollen, können davon in hohem Maße profitieren.

Väterbegleiter, der Vierte: Heiko Litz

Heiko Litz

Heiko Litz

Es wird Zeit, dass ich auch den Mann in das Väterbegleiter-Netzwerk aufnehme, mit dem ich an dem Vater-Kind-Wochenende unter dem Motto “Komm, bau ein Schiff” arbeite. Es geht um Heiko Litz, den jüngsten Vater unter uns. Heiko hat wahnsinnig viel Erfahrung in verbandlicher Jugend- und Erwachsenenbildungsarbeit. Jetzt sind seine Väterkurse in Mainz angelaufen – mit großem Erfolg.

Die Kita als Familienzentrum

Seit September 2011 fördert das Land Hessen Kindertagesstätten, die sich auf den Weg machen wollen, ein Familienzentrum zu werden. Die Idee: Die Kitas sind der optimale Ort, um möglichst zu einem frühen Zeitpunkt Einfluss auf die positive Entwicklung der Kinder zu nehmen. Das Spektrum der Ausgestaltung ist breit. Niedrigschwellige Angebote wie ein Eltern-Kind-Kaffee sind genauso denkbar wie die komplette Übernahme von Themen der Familienbildungsstätten, also Elternkurse und Eltern-Kind-Kurse beispielsweise.

Auch die Kita in meinem Heimatort Bickenbach hat sich auf den Weg gemacht. Ich habe jetzt meine Idee für eine Väterarbeit dort vorgestellt. Es gibt nun eine gute Chance, mit niedrigschwelligen Angeboten und Vater-Kind-Kursen einzusteigen. Am 22. April ist ein Infotag geplant, an dem sich Einrichtungen und Unternehmen mit Angeboten rund ums Kind und die Familie aus der näheren Umgebung vorstellen. Ich werde von 14 bis 17 Uhr mit von der Partie sein, um herauszufinden, was die Väter wünschen. Ich bin sehr gespannt. Eine Kooperation mit der Kita für ein gemeinsames Angebot ist in Vorbereitung. Ich werde berichten.

Fast im ganzen Bundesgebiet sind entsprechende Förderprogramme aufgelegt worden, um aus Kitas Familienzentren zu machen. Das ist für all jene, der sich der Väterarbeit verschrieben haben eine Chance. Und für die Kitas und damit die Kinder und Eltern auch.

Unser Mann in Düsseldorf: Jürgen Grah

Jürgen Grah

Jürgen Grah

Unser Mann in Düsseldorf heißt Jürgen Grah. Er ist der dritte GfG-Väterbegleiter, der sich auf der Netzwerk-Seite vorstellt. Jürgen ist Vater von Zwillingen und als Tagesvater und Babymassagekursleiter in Düsseldorf aktiv. Das Thema Bindung liegt ihm ganz besonders am Herzen. Er hat bereits sehr viel Erfahrung in der Arbeit mit Vätern. In einem Interview auf passionpapa.de erfährt man noch mehr über ihn. Ein interessanter Mann und Vater.

Der nächste bitte: Markus Angerer

Markus Angerer

Markus Angerer

Lange versprochen wird es nun wahr: Der zweite GfG-Väterbegleiter stellt sich unter dem Navigationspunkt “Väterbegleiter-Netzwerk” vor. Markus lebt in Rodenbach bei Hanau und ist Diplompädagoge, systemischer Berater und systemischer Kinder- und Jugendtherapeut. Seine Themenschwerpunkte sind Vaterrolle, Kindesentwicklung, Bindung und Eltern-Kind-Beziehung, Paarberatung und Selbstfürsorge. Auch hier gilt wie bei Thomas Weber: Scheut Euch nicht ihn direkt anzusprechen, wenn ihr Fragen an ihn habt.

Werte auf dem Wickeltisch

Einen interessanten Fachtag plant das FamilienGesundheitsZentrum Frankfurt am 8. Mai 2012. Das Thema: “Werte auf dem Wickeltisch. Wie gute Bindung das Lernen fördert.” Bindung und frühkindliche Entwicklung ist eines der wichtigsten Themen überhaupt. Diese Tagung wird sicher einige Argumente liefern, die diese These stützen. Als Referentinnen konnten Frau Prof. Dr. Uta Meier-Gräwe und Frau Maria Aarts gewonnen werden. Der Vormittag steht ganz im Zeichen von Vorträgen. Am Nachmittag wird das Gehörte in Workshops vertieft.

Die Veranstaltung findet im Rahmen einer Wertewoche mit dem Motto “Werte für Familien” statt. Der Fachtag wird unter anderem von der hessenstiftung – Familie hat Zukunft und der Karl-Kübel-Stiftung unterstützt. Mehr Infos findet Ihr im Flyer.

Nächste GfG-Väterbegleiter-Weiterbildung startet

Die ersten GfG-Väterbegleiter sind zertifiziert und schon gibt es die Ausschreibung für die nächste Weiterbildung. Dieses Mal dürften sich vor allem Väter in Norddeutschland angesprochen fühlen. Die Weiterbildung startet im Herbst und findet in Hamburg statt. Erneut übernimmt Volker Baisch von der Väter gGmbH unterstützt von GfG-Ausbilderin Melanie Schön den Part des Chefausbilders.

Sowohl hier als auch deutlich intensiver auf passionpapa.de habe ich über die Weiterbildung berichtet. Ich hoffe, dass engagierte Väter sich angesprochen fühlen und uns acht Vätern der Pilotgruppe nachfolgen. Wir sind eifrig am Aufbauen eines Netzwerkes – untereinander aber auch mit den GfG-Frauen und zahlreichen anderen Institutionen, die unsere Fähigkeiten und Leidenschaft nachfragen. Informiert Euch also in dem entsprechenden Flyer. Bei Fragen stehen meine Kollegen und ich und natürlich auch Volker Baisch und Melanie Schön zu eurer Verfügung.